Samstag, 1. September 2018

Plan B

Die russische Handelszone schließt Kasachstan und Kirgistan mit ein. Daher waren die Grenzübergänge in diese Länder alle sehr unkompliziert und schnell. Als wir nach Tadschikistan eingereist sind, hatten wir diese Handelszone allerdings wieder verlassen. Da wir nun wieder nach Kasachstan müssen, erwarten wir wieder einen katastrophalen Grenzübergang, wie wir es damals schon bei der Einreise nach Russland erlebt hatten. 
Die Grenze ist am Arsch der Welt. Hier gibt es nichts, die Straße hört auch fast auf und es ist auch einfach potthässlich. Kein Mensch kommt hier vorbei der nicht nach Aktau muss d.h. eigentlich nur Leute die auf die Fähre wollen, dort wohnen oder arbeiten.
Die Ausreise geht schnell und die Grenzbeamten sind mal wieder sehr freundlich. Auf der kasachischen Seite geht dann zu unserer Verwunderung auch alles ganz schnell. Wir müssen keinen einzigen Zettel ausfüllen, alles wird mit dem Computer in kürzester Zeit für uns geregelt und eine halbe Stunde später stehen wir schon in Kasachstan.
Nach der Grenze ist die Straße nach Beineu eine Baustelle. Sie wird komplett erneuert aber wir müssen noch auf der staubigen Schotterstraße daneben fahren. Durch die vielen Lastwagen ist es manchmal so staubig und trocken, dass man fast nichts mehr sieht. Nur die treudoofen Kamele am Straßenrand schauen uns mit großen Kulleraugen an und scheinen sich daran nicht zu stören.

Tunnelzelt aufstellen ohne Heringe am Hafen von AktauAb Beineu wird die Straße gut, aber die Landschaft bleibt öde bis Aktau. Kurz vor Aktau sieht man unzählige Ölförderanlagen in der Landschaft und es erscheinen immer mehr Industrieanlagen. Die Gegend ist mit Abstand eine der Scheußlichsten die wir je gesehen haben. Wir fahren gar nicht erst nach Aktau hinein, sondern gleich zum Hafen, wo die Fähren Richtung Aserbaidschan ablegen. 
Am Hafen gibt es ein kleines Tickethäusschen und wir versuchen herauszubekommen wann und wo die nächste Fähre ablegen wird. Das Problem an den kaspischen Fähren ist, dass es keinen festen Fahrplan gibt. Die Fähren legen ab, wenn sie voll beladen sind und das Wetter passt. Zudem gibt es auch noch zwei Häfen von denen sie abfahren können. Auch am Ticketschalter weiß keiner genau Bescheid. Es wird uns nur versichert, dass heute keine Fähre mehr geht - vielleicht morgen oder auch erst nächste Woche.
Direkt am Hafen gibt es auch ein kleines Cafe. Da es bereits dunkel wird, essen wir dort eine Kleinigkeit und fragen anschließend, ob wir unser Zelt auf dem Parkplatz aufschlagen dürfen. Zu unserer Verwunderung ist das gar kein Problem. Wir sollen uns für maximale Sicherheit noch etwas näher an die Videokameras stellen und kostenloses WLAN bekommen wir auch noch dazu.
Am nächsten Morgen fragen wir wieder am Ticketschalter, ob ein Schiff abfährt. Wieder einmal heißt es "heute sicher nicht", aber das nächste Schiff fährt mit großer Wahrscheinlichkeit vom neuen Hafen in ca. 70 Kilometer Entfernung ab. Wir beschließen an den anderen Hafen zu fahren und dort unser Zelt aufzuschlagen. Da wir aber heute kein Schiff mehr fahren soll, bestellen wir noch gemütlich Frühstück, beantragen noch schnell unser Online Visum für Aserbaidschan und die Dusche im Cafe dürfen wir auch noch benutzen. 
Als wir das Hafenviertel verlassen kommt uns noch ein brittisches Pärchen auf dem Motorrad entgegen, die uns dann gleich zum neuen Hafen nach Kuryk folgen. Der Hafen in Kuryk ist schwer zu finden. Er liegt nicht direkt in dem Örtchen, welches auch schon völlig in der Pampa ist, sondern etwa 20 Kilometer außerhalb. Über eine Schotterstraße mitten durch die Wüste erreichen wir schließlich den recht modernen Hafen. Er ist sogar überall mit englischem Rasen ausgestattet, sieht echt klasse aus bis man bemerkt, dass das alles Kunstrasen ist - wäre auch denkbar ungünstig zu Bewässern.

Wenn das der Kapitän siehtProfessor Gul wartet schon auf unsWir betreten das Gebäude und wundern uns, dass dort bereits Touristen sitzen. Dann heißt es plötzlich wir sollen schnell die Tickets kaufen, die Fähre legt demnächst ab. So viel also zur Verlässlichkeit der Aussagen am Ticketschalter in Aktau. Wir hatten wirklich großes Glück, ansonsten hätten wir noch etliche Tage auf das nächste Schiff warten dürfen.
Bis alle Zollangelegenheiten geklärt sind, was eine halbe Ewigkeit dauert, ist "Professor Gul" schon voll beladen und wartet zum Ablegen nur noch auf uns. Das Wetter ist gut und es soll keine Verzögerungen geben. 
Professor Gul ist schon 30 Jahre alt. Uns wird erklärt, dass Schiffe normalerweise nach 10 Jahren komplett restauriert werden müssen. Die kasachische Regierung findet, dass Professor Gul das nach 30 Jahren immer noch nicht nötig hat. Cool - er schwimmt, der Motor läuft und eigentlich sieht er auch für sein Alter noch gar nicht so übel aus - auf geht es Richtung Baku. 

Unsere Kabine auf dem SchiffDas Kind und der Kapitän steuern das SchiffWir wissen nicht was andere Reisende für einen Anspruch haben, aber die Schlafkabinen sind unserer Meinung nach völlig in Ordnung. Wir bekommen drei Mahlzeiten die kein Hochgenuß, aber in Ordnung sind. Es gibt kaum Leute auf der Fähre. Es ist eigentlich auch kein Passagierschiff sondern transportiert in erster Linie Güterwagons. Die Crew ist dafür ziemlich cool und scheint sich über Reisende zu freuen. Man darf sogar auf die Brücke und mit dem Kapitän und der Crew Bilder machen. Nach dem Abendessen werden wir sogar offiziell auf die Brücke eingeladen, bekommen alle Instrumente erklärt und dürfen uns über alles informieren. 
Am nächsten Nachmittag erreichen wir den Hafen von Alat südlich von Baku, nachdem wir unzählige Ölplattformen passiert haben. Viele von den Plattformen sind bereits außer Betrieb und werden allmählich vom Salzwasser zerfressen. Schön ist der Anblick zwar nicht, aber nennen wir ihn mal interessant.
Die Einreise nach Aserbaidschan ist unkompliziert. Das Große Übel scheinen hier allerdings Drohnen zu sein, da uns jeder Zollbeamte ungefähr zehn Mal danach fragt. Die Zöllner sind freundlich, durchsuchen unser Gepäck und sind schließlich auch zufrieden, nachdem sie keine Drohne gefunden haben. Offensichtlich finden sie es aber seltsam, dass Leute Reis, Linsen und Nudeln mitführen. Nachdem wir die Gebühr für unsere Motorräder bezahlt haben verlassen wir das Hafengelände.

Blubbernder Matsch überallWir essen eine Kleinigkeit an einer Tankstelle, nachdem wir die Angestellten dort überreden konnten, dass wir unser Essen in Dollar bezahlen wollen. Es gibt keinen Grund für uns aserbaidschanisches Geld abzuheben, da wir am nächsten Tag bereits in den Iran fahren. Wir haben keine Lust nach Baku zu fahren und beschließen noch einen Ort mit Matschvulkanen anzuschauen, welcher ganz in der Nähe liegt. Als wir die Autobahn auf die kleine Schotterstraße verlassen, riecht es bereits überall nach Öl. Ein paar Meter weiter wissen wir auch warum. Es scheint hier einfach Öl aus dem Boden zu quellen. Bis wir die Matschvulkane erreichen, kommen wir an mehreren solchen Stellen in der Wüste vorbei. Kein Wunder ist das Land so reich, wenn es Öl schon einfach so überall aus dem Untergrund drückt.
Die Gegend mit den Matschvulkanen eignet sich hervorragend um unser Zelt aufzuschlagen. An vielen Stellen blubbert kalter Matsch in kleinen Mini Vulkanen oder auch in Tümpeln. Besonders mystisch wirkt das Ganze dann bei Sternenhimmel und Mondschein. 
Nach einer geruhsamen Nacht mit beruhigendem Geblubber, fahren wir am nächsten Tag zur iranischen Grenze nach Bilarsuvar. Wir haben uns für den kleinen Grenzübergang entschieden, anstatt zur großen Grenze nach Astara zu fahren. 

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