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Mittwoch, 1. August 2018

Offroad Paradies Kirgistan

Nach einigem Hin und Her haben wir die Ersatzteile für Miriams Motorrad in Almaty bekommen und die Zeit war nicht ganz so langweilig, da wieder ziemlich viele coole Leute im European Backpacker Hostel waren.

Ein Sowjet-Limo-AutomatSo sind wir also ein paar Tage später wieder zurück in Bishkek, wo wir unsere Schweizer nochmal treffen und eine Art Abschieds-UDSSR-Gedenk Tag machen. In Bishkek findet man noch diverse Überbleibsel aus der Zeit der Sowjet Union. Wie haben es immer daran gemerkt, das Andreas' Augen angefangen haben zu leuchten, weil er sich an seine Kindheit erinnert hat. Man findet z.B. überall in der Stadt türkisfarbene "Limo-Automaten". Automaten waren es zumindest früher einmal, jetzt steht immer eine Person daneben und bedient die riesigen Metallboxen im geöffneten Zustand. In der Regel bekommt man da Apfel- oder Birnenlimonade und Wasser. Sie haben sogar eine Spülung für die Gläser integriert und sind wirklich ziemlich cool. Oft sind die Besitzer genau so alt wie die Automaten selbst und wir gönnen uns während unserer Stadttour natürlich das ein oder andere Glas.
Weiterhin gibt es kleine Buden, welche sich Pivnushkas nennen. Man kann dort leckeres gezapftes Bier bekommen. Früher ist man dort wohl einfach vorbei gegangen, hat sich ein paar Biere gegönnt und ist dann wieder weitergezogen - also eine Art Fast-Drink Bier Kneipe. Zusätzlich gibt es dort immer allerlei getrockneten Fisch, welchen man zum Bier isst. Wir sind dann durch Bishkek gezogen und haben uns immer mal ein Bierchen gegönnt. Eine wirklich tolle Sache diese Pivnushkas.
Es gibt auch zahlreiche kleine Bäckereien, welche Teigtaschen mit Fleischfüllung herstellen. Auch diese gab es wohl früher in Andreas' Heimatstadt an jeder Straßenecke. Sie passen auch wunderbar zum Bier. Wir verbringen einen ziemlich coolen letzten Tag zusammen in Bishkek und unser UDSSR-Gedenk-Tag ist ein voller Erfolg, wir fallen abends ins Bett und schlafen wie Steine.
Miriam holt Wasser im DorfAm nächsten Tag brechen wir Richtung Song Kul See auf. Wir fahren zuerst nach Westen und brauchen Ewigkeiten, bis wir überhaupt einmal in dem dichten Verkehr aus Bishkek rauskommen. Dann biegen wir auf eine Passstraße ab, wo wir eine kleine Maut bezahlen müssen. Das Sträßchen schlängelt sich über viele Kilometer den Berg hinauf und führt schließlich auf über 3000 m zum Kohlenstoff-Monoxid-Tunnel. Wir haben gar nicht groß darüber nachgedacht und sind einfach, an den wartenden LKWs vorbei, in den Tunnel reingefahren. LKW's haben eine Ampel und es darf nur eine Seite jeweils fahren, da der Tunnel nicht breit genug ist. Er ist praktisch stockdunkel, der Straßenbelag ist in einem miserablen Zustand und es herrscht ein höllen Lärm. Nach der Hälfte wird einem bereits schwummrig, da fast keine Belüftung vorhanden ist. Ab und zu überholt noch ein verrückter Autofahrer dem es nicht schnell genug geht. Kurz bevor man ohnmächtig vom Motorrad fällt, erblickt man zum Glück wieder Tageslicht und kommt, wenn man Glück hat, heil auf der anderen Seite an. Später wird uns erklärt, dass Radfahrer auf keinen Fall durchfahren sollen und nach einer Mitfahrgelegenheit suchen müssen. Sonst sei das viel zu gefährlich.
Nachdem wir den Pass auf der anderen Seite wieder heruntergefahren sind, biegen wir auf eine Schotterstraße Richtung Suusamyr. Dort kaufen wir noch ein paar Dinge ein und schlagen unser Zelt neben einem reißenden Fluß auf. Miriam findet ein Skellett einer toten Kuh und will den Schädel als Badass-Gallionsfigur für ihr Motorrad haben.

Auf den Weiden am Song Kul See
Lord of the BaggerMoldo-Ashuu PassNach dem Frühstück folgen wir dem Flusslauf noch einige Kilometer und biegen dann nach Osten Richtung Song Kul See ab. Wir haben uns für die kleinste und einsamste Strecke zum See entschieden. Als wir die Hauptstraße verlassen, stecken wir daher auch gleich einmal im Schlamm und sauen uns ordentlich ein. Der Feldweg wird zum Glück nach ein paar Kilometern wieder besser und ist nicht mehr matschig. Die Straße führt uns zuerst über freie Steppe, dann in einen kleinen Canyon und geht schließlich bis auf über 3200 m den Berg hoch. Auf der Passhöhe hat man dann einen klasse Ausblick auf den Song Kul See und die hohen Berge. Auf der Fahrt zum See verläuft sich unsere kleine Straße langsam und es wird schwierig überhaupt noch Straße zu finden. Daher fahren wir letztendlich einfach nur noch wie Cowboys über die grünen Wiesen. In den Alpen flippen die Leute aus, wenn sie ein Edelweiß erspähen. Hier ist die ganze Wiese voll damit und als wir am See angekommen sind und unser Zelt aufschlagen, müssen wir das auch auf Edelweiß stellen - es wächst einfach überall.
Wir gesellen uns zu drei Engländern mit denen wir unser Bier teilen. Es ist das erste Mal für sie, dass sie über 3000 m mit Bier versorgt werden. Als Dank dafür und weil es so kalt ist, machen sie ein Kuhscheiße Feuer. Es kokelt und qualmt prima, aber Wärme spendet es leider nicht. Daher gehen wir auch recht zeitig ins Bett, da es wirklich unangenehm kalt wird. Beim Einschlafen kommt mir irgend etwas komisch vor. Nach einer Weile fällt mir auf was es ist. Es ist absolut still - kein einziges Geräusch. Ich liege noch eine ganze Zeit da und versuche etwas zu hören, absolut nichts - cool. Da passiert uns auf unserer Reise hier in den Bergen noch ein paar Mal und ist wirklich etwas ganz Besonderes was es nur noch an wenigen Orten auf der Welt gibt.
Am nächsten Morgen werden wir durch viele Schafe und Kühe ums Zelt geweckt. Wie überall in Kirgistan gibt es auch hier am See keine Zäune und alles darf frei herumspringen. Wir verlassen den See über den Moldo-Ashuu Pass nach Süden. Von der Passhöhe hat man einen fantastischen Ausblick auf die Passtraße selbst und die herumliegenden Gipfel.

Unser nächstes Ziel ist Naryn, wo wir uns ein Permit für den Kel Suu See holen. Der See ist ziemlich abgelegen und daher müssen wir uns vor der Abfahrt mit allerlei Essen (Reis, Linsen und Nudeln) eindecken. Die komplette Strecke ist Offroad und nach wenigen Kilometern ziehen wieder einmal dicke Regenwolken auf. Wir stehen dann plötzlich mitten auf dem Feld zwischen zwei Gewitterfonten und es fängt um uns herum heftig an zu winden, blitzen und regnen. Wir parken daher relativ nahe an einer Stromleitung, damit wir nicht der höchste Punkt vom Feld sind und ziehen unsere Regensachen an. Die Gewitter sind lustigerweise um uns herum aber nicht richtig über uns. So regnet es an unserer Stelle kaum, aber ein paar hundert Meter in jede Richtung geht die Welt unter. Wir warten eine halbe Stunde bis die Gewitter weitergezogen sind und fahren dann bei leichtem Nieselregen weiter. Auf der Strecke sind diverse Militärkontrollen und an einer treffen wir ein paar Touristen, die uns mitteilen dass der See kein Wasser mehr führt. Traurig aber wir fahren trotzdem weiter.

Das Tal zum Kel Suu SeeKleiner Canyon auf dem Weg zum Kel Suu SeeAuf der ganzen Strecke sehen wir praktisch niemanden, aber kurz vor unserem Ziel treffen wir plötzlich auf eine riesige Gruppe die in der Pampa ein gigantisches Mittagessen aufgebaut haben. Es ist eine israelische Reisegruppe, alles Selbstfahrer, und sie laden uns zum Essen ein. Uns wird erklärt, dass sie zu einem geheimen See fahren - so geheim, dass er nicht einmal einen Namen hat. Miriam erklärt ihnen, dass es hier nur einen See gibt, der Kel Suu Lake heißt und wir da auch hinwollen. Der Reiseführer findet das nicht so gut - Miriam hat wohl mit ihrem Feingefühl das Abenteuer Feeling etwas zerstört. Allerdings merken die Isrealis dann spätestens an ihrem Übernachtungs-Camp, dass sie nicht die einzige Reisegruppe sind, die hier durchgeschleust wird. Wir übernachten auf einer Wiese etwas außerhalb der Jurt Camps. Das Panorama ist gigantisch. Unser Zeltplatz liegt auf ca. 3300 m, die Grashügel um uns herum leuchten goldgelb in der Abendsonne und sind fast so hoch wie der Mont Blanc. Dahinter sieht man dann die großen schneebedeckten Berge, die alle nochmal deutlich höher sind und er Mond ist nachts so hell, dass man kaum schlafen kann.
Ich und mein Bier
Kel Suu See ohne WasserDie Israelis fahren früh morgens schon die restlichen 7 km bis zum See d.h. sie versuchen es zumindest, bleiben aber im Schlamm stecken und müssen letztendlich umdrehen, ohne den See gesehen zu haben. Sie sagen uns, dass wir da niemals mit unseren Motorrädern durchkommen und daher beschließen wir die Strecke zu wandern. Die Wanderung ist wirklich sehr schön und als wir am See ankommen war uns klar, dass wir die Strecke locker ohne Probleme auch hätten fahren können - doch egal. 
Wie schon berichtet ist der See leer. Warum konnten wir leider nicht rausfinden und auch die Touristeninformation in Naryn hat über den leeren See kein Wort verloren. Ein bisschen traurig ist es schon, aber auch so sieht der leergelaufene See, umgeben von steilen Felswänden auf 3500 m, absolut spektakulär aus.
Wir überprüfen unseren Benzinstand und beschließen dann tags darauf die längere Strecke über die chinesische Grenze zurückzufahren.

Zwei Welten treffen aufeinanderAls wir das Tal wieder verlassen und nach Süden abbiegen wollen, treffen wir einen Cowboy auf seinem Pferd. Nach einem kurzen Wortwechsel will er uns zum Cay einladen und wir folgen ihm über die Weiden zu seiner Hütte. Er hat eine Frau und zwei Kinder. Wir werden mit Unmengen an Essen und fermentierter Pferdemilch versorgt. Jedes Mal als ich froh bin das Glas geschafft zu haben, wird es wieder bis zum Rand gefüllt. Wir müssen jeder ungefähr ein Kilo frittiertes Brot, ein halbes Kilo Butter und ein Liter fermentierte Pferdemilch in uns reingestopfen und sind dann ganz froh, dass wir plötzlich noch ein Glas Vodka zum Abschied bekommen. Wir bekommen noch die Pferde auf der Weide gezeigt und machen gemeinsame Fotos. Sie waren super nett, aber selbst mit Google Übersetzer auf Miriams Smartphone war die Unterhaltung leider sehr mühsam und wir haben wieder einmal etwas bereut, dass wir kein russisch sprechen können.
Nachdem wir uns von unseren netten Gastgebern verabschiedet hatten, geht Miriams Motorrad wenige Kilometer später einfach aus. Es bekommt einfach überhaupt keinen Strom mehr. Ich will dem Problem gerade auf den Grund gehen, als ein Auto anhält und der Park Ranger aussteigt. Er kontrolliert kurz unsere Unterlagen und schaut sich dann das Motorrad an. Er klopft etwas auf dem Licht und Miriams montiertem Kuhschädel rum und plötzlich hat das Motorrad wieder Strom. Ich will eigentlich noch nach der Ursache suchen, doch der Mann baut schon wieder alles zusammen. Miriam muss ich dann noch überreden ihren schweren Kuhschädel zurückzulassen. 
Einige Kilometer später geht das Motorrad wieder aus. War ja eigentlich klar, aber ich durfte ja nicht mehr nachschauen. Also baue ich die Front wieder auseinander und finde nach kurzer Zeit einen losen Stecker. Alles funktionierte nun wieder zuverlässig und die Fahrt konnte weitergehen. Wir fahren über endlose Steppe mit schneebedeckten Bergen auf beiden Seiten. Ab und zu durchqueren wir einen Fluss oder fahren in einem Flussbett mit Kieseln und Sand. Irgendwann erscheint dann ein Grenzzaun dem wir die restlichen Kilometer bis zum Grenzgebäude der chinesischen Grenze folgen. Dort biegen wir wieder auf eine asphaltierte Straße und fahren am Chatyr Kul See vorbei bis zur Abzweigung nach Baetov. Hier wird die Strecke wieder zur schlechten Dreckstraße und wir schlagen unser Zelt wieder einige Kilometer später auf einer Weide auf zwischen unzähligen von empörten Murmeltieren. Auch hier ist man wieder fast ganz allein.

Schnee am letzten Pass vor OshAm nächsten Tag fahren wir über Baetov nach Kazarman und weiter Richtung Osh. Praktisch die komplette Strecke ist Schotterstraße oder schlechter und wirklich traumhaft zum Motorradfahren. Am letzten Pass liegt noch einmal ordentlich Schnee neben der Straße. Danach verlassen wir allmählich die Berge und in Osh angekommen ist das Wetter dann plötzlich sehr heiß. Wir sind auch nicht einmal mehr 1000 m hoch.

Sary Tash die Berge im Hintergrund sind knapp unter 7000mIn Osh ruhen wir einen Tag aus und treffen unseren britischen Kumpel Robin wieder. Wir wollen eigentlich gemeinsam weiter nach Tadschikistan fahren, aber am Abfahrtstag läuft Öl aus Miriams Gabel. Robin muss also ohne uns weiterfahren und ich benötige einen Tag um Miriams Gabel zu richten. Am nächsten Tag fahren wir ebenfalls zu Grenzstadt Sary Tash. Sary Tash ist ein Kaff und man bekommt wirklich nur das Allernötigste - Benzin und ein paar spärliche Nahrungsmittel. Als wir gerade tanken steht Robin plötzlich wieder neben uns. Wir fahren anschließend ein paar Meter aus dem Dorf und campen auf einer grünen Wiese. 
Nach dem Frühstück tags darauf fahren wir zur Grenze nach Tadschikistan. Wie alle Grenzstraßen wird diese wieder nach kurzer Zeit abartig schlecht mit großen Schlaglöchern. Zwischen den Bergen liegt dann die kirgisische Grenzkontrolle. Die Ausreise gestaltet sich einfach und wir dürfen nach kurzer Zeit weiterfahren. Zur tadschikischen Grenze sind es jetzt noch einmal ca. 17 km Niemandsland. 
Kirgistan war bis jetzt eines unserer Highlights. Wer Berge mag, wird Kirgistan lieben. Die Menschen sind unglaublich nett, oft trifft man aber überhaupt keine, weil man in den abgelegeneren Bergregionen einfach völlig alleine unterwegs ist.

Dienstag, 31. Juli 2018

Die Alpen in krass

Kurz nach der kirgisischen GrenzeEin junger Grenzbeamter begrüßt uns auf der kasachischen Seite freundlich und will natürlich wissen, wo wir herkommen. Viele Touristen scheinen hier nicht vorbeizukommen und auch einheimische Fahrzeuge gibt es nicht viele. So sind wir die Einzigen die zu diesem Zeitpunkt nach Kirgistan einreisen wollen. Dementsprechend haben die Grenzbeamten auch genügend Zeit mit uns zu plauschen und alles genau anzuschauen. Das heißt jetzt nicht, dass sie unser Gepäck vollständig auseinandernehmen, sondern geschieht eher auf die angenehme Smalltalk Art. Die Gepäcktaschen machen wir lediglich kurz auf, aber die Beamten haben wohl eher auf unsere Reaktion gewartet, als das Gepäck genau betrachten zu wollen. So ist schnell viel wichtiger wie weit wir gefahren sind, wieviel PS unsere Motorräder haben, ob es uns in Kasachstan gefallen hat usw.
Auf der kirgisischen Seite empfängt man uns ähnlich freundlich, allerdings wird darauf Wert gelegt zu erwähnen, dass Kirgistan noch viel schöner ist als Kasachstan. Mit einem freundlichen "Welcome to Kirgistan" dürfen wir dann letztendlich weiterfahren.
Die Landschaft ist überall hügelig und saftig grün. Die Flüsse sehen aus wie in die Wiesen geschnitten. Sie haben kein wirkliches Ufer, sondern gehen direkt in das Gras über. Zäune gibt es hier keine und alle Kühe, Pferde, Schafe und Ziegen dürfen einfach frei herumlaufen. Ein absolutes Paradies nicht nur für die Tiere.
Die Schotterstraße führt uns schließlich nach einigen Kilometern an eine Kreuzung. Rechts geht es auf einer geteerten Straße weiter, Offroad Andi wählt natürlich die linke Straße und nach wenigen Metern geht sie über riesige Kiesel steil den Hang hinauf. Der arme Camper wird wieder einmal schwerst gequält. So geht es viele Kilometer über extrem schlechte Straßen, bis wir in der Ferne bereits ein Dörfchen erkennen können. Auf den wenigen Kilometern abwärts Richtung Dorf lässt es plötzlich einen gewaltigen Schlag. Andreas hält sofort an und macht den Motor aus. Ein großer Stein hat die Ölwanne des Campers komplett eingedrückt. Wir versuchen nochmals kurz den Motor zu starten, doch dieser zeigt sofort die Öl Kontrollleuchte. Daher schieben wir den armen "Klumpi" die restlichen Meter Richtung Dorf bis zu den ersten Häusern.

Ölwanne Ausbeulen mit Hammer und Meisel
Kaum dort angekommen kommt auch schon ein freundlich schauender Mann mit seinen Kindern auf uns zu. Wieder einmal sind Andreas's russisch Kenntnisse Gold wert. Nurlan will uns helfen und wir schieben den Camper in den Innenhof seines Hauses. Hinter dem Haus befinden sich Felder und eine Scheune mit Kühen und Hühnern. Zwei provisorische Holzrampen werden aufgestellt um das Wohnmobil vorne hochzubocken. Als die Ölwanne demontiert ist wird klar, dass der Ansaugstutzen der Ölpumpe abgerissen ist. Der muss am nächsten Tag geschweisst werden, das geht aber nur in der nächst größeren Stadt Karakol. Daher werden wir erst einmal im eigenen Esszimmer mit jeder Menge Leckereien versorgt, bevor danach mit Meisel und Vorschlaghammer die Ölwanne wieder ausgebeult wird. Zum Übernachten wird uns das Nebenhaus angeboten. Dort gibt es ein Zimmer mit einigen Decken, wo wir alle Vier genügend Platz finden.
Am nächsten Tag stehen wir früh auf, da die Mädels beim Melken zuschauen wollen. Jeden Morgen werden die Kühe gemolken und dann auf die Dorfstraße getrieben, wo ein Cowboy alle Dorfkühe einsammelt und auf die Weiden treibt. Das macht auch Sinn, da jede Familie hier nur eine Hand voll Kühe besitzt.

Das ganze NotfallteamFleischfressende Baby KüheIch spiele mit den Baby Kühen und lasse mir in den Zeigefinger beißen, denn die haben Reisszähne, und werden ganz verrückt vom Blut. Im Laufe des Tages machen sich Andreas und Nurlan auf den Weg zum Schweisser nach Karakol, wir anderen Essen eigentlich die meiste Zeit, während wir auf positive Nachrichten warten.
Gegen Mittag kommen Andreas und Nurlan wieder erfolgreich zurück. Den Schweisser selbst haben sie auch gleich mitgebracht. Mittlerweile hast sich so ziemlich das ganze Dorf in Nurlans Garten versammelt und wohnt der Reparatur bei - endlich war hier mal etwas los! Nachdem die Ölwanne samt Ölpumpe wieder montiert ist, funktioniert zwar alles wieder, aber sie ist ziemlich undicht. Also wird das Ganze wieder abgebaut und die Ölwanne auch noch geschweißt. Beim zweiten Versuch ist dann alles in Ordnung und wir können gegen Nachmittag unsere Reise fortsetzen.

Wir wollen eigentlich zu einer heißen Quelle in der Nähe von Ak-Suu. Leider besteht die Straße nur noch aus Matsch mit Felsbrocken und das wollen wir dem frisch reparierten Klumpi nicht schon wieder zumuten. Daher schlagen wir unser Lager für die Nacht am Eingang des Tales auf einer kleinen Wiese auf. Am nächsten Tag kommt uns Robin (ein Brite, den wir schon in Almaty getroffen hatten) aus dem Tal entgegen. Er ist ein bisschen weiter hineingefahren, aber letztendlich mit seinem großen BMW Motorrad auch nicht mehr weitergekommen. Aufgrund des schlechten Wetters saß er dann die letzten drei Tage mit Wein und Vodka unter seinem Tarp und hat auf besseres Wetter gewartet. Auch er ist ein geeichter Biertrinker und wird daher in unsere Gruppe integriert.

Die Tetanus BadewanneNach dem herrlichen Bad im FlurWir machen uns auf in ein Tal, das Valley of Flowers genannt wird. Dort soll es auch irgendwo eine heiße Quelle gegeben und wir sind uns alle einig, dass es mal wieder Zeit für eine Dusche wäre.
Wir fragen ein bisschen herum und werden in ein etwas betagtes Heilbad geschickt. Das Gebäude hat schon bessere Zeiten gesehen, hat den typischen Sowjet-Flair und erinnert an ein Irrenhaus aus einem Horrorfilm, indem leicht bekleidete Mädchen von einem Irren zerhackt werden. Eigentlich ist auch schon geschlossen, aber die Sowjet-Frau macht noch eine mürrische Ausnahme. Uns wird aufgetragen uns zu beeilen und so hasten wir durch die dunklen Gänge, die alle noch mit uralten Teppichböden ausgestattet sind. Getrennt werden wir wie Schlachtvieh in einzelne Kabinen gesperrt und setzen uns nackig in rostige Tetanus Badewannen. Im hinteren Teil des Raumes, sind die Kabinen miteinander verbunden, die Sicht zu den Nachbar Badewannen ist durch Wellblech-Glasfaser versperrt. Die strenge Sowjet-Heilbad-Frau patroliert um zu sehen, ob alle Platz genommen haben. Dann stellt sie das Mineralwasser an - es ist kalt! Mein Herz bleibt fast stehen. Hilfesuchend beuge ich mich vor zu Andrea. Auch sie hat kaltes Wasser und wir müssen beide lachen. Die Sowjet-Frau ermahnt uns zur Ruhe, also rutsche ich zurück ins kalte Wasser. "Zehn lange Minuten noch, dann gibt es endlich eine heiße Dusche". Doch falsch gedacht, duschen dürfen wir nicht, das war schließlich Heilwasser! Wir müssen uns wieder anziehen und sprinten durch die Korridore zum Ausgang. Dort werden wir rausgeschmissen - was für ein Film...

Die drei Reitprofis!Campen im Valley of FlowersWenigstens stinken wir nicht mehr ganz so übel, und setzen unsere Reise tiefer ins Tal fort. 
Nach einer Weile erreichen wir grüne, saftige Wiesen, auf denen sich glückliche Pferde, Kühe und Schafe tummeln. Es gibt einige Jurten (auch als Unterkünfte für Touristen) daher wollen wir noch etwas weiter die Passstraße hoch fahren, aber Klumpi steckt wiederholt im Schlamm fest. Also lassen wir uns zwischen den Einheimischen Jurten nieder und schlürfen unser Bier.
Am nächsten Morgen kommen zwei Jungs auf Pferden vorbei und fragen, ob wir ihre Pferde mieten wollen. Drei von uns haben Lust allerdings nur in Begleitung - sie hätten uns die Pferde auch ganz alleine überlassen. Außerdem bitte ich um ein fettes, langsames, gehbehindertes Pferd. Ich bekomme ein gutmütiges Pferd, leider funktioniert die Lenkung nicht einwandfrei und es ist immer geneigt ganz am Abgrund oder auf Mini Trampelpfaden im Steilhang zu laufen. Da ich sowieso kein Mitspracherecht zu haben scheine, lasse ich es einfach laufen. Einmal steuern wir auf Felsblöcke im Steilhang zu. Ich sehe schon, dass das nicht gut geht, habe aber keine Chance etwas daran zu ändern. Als es der blöde Gaul dann auch endlich bemerkt ist es schon fast zu spät - das Bein bleibt hängen und ziemlich schnell und holperig rauschen wir wieder Richtung ursprüngliche Straße. Das war knapp. 
Gu und Robin wollten nicht reiten und sind nur etwas spazieren gegangen.

Bier trinken am Issyköl SeeAm nächsten Morgen lassen wir Robin zurück, der möchte noch einen Tag bleiben, und tuckern Richtung Issyköl See. Direkt am Strand schlagen wir unser Camp auf. Einheimische baden und es gab sogar Umkleidekabinen. Gab - denn in der Nacht kommt ein großer Lastwagen mit einer Hand voll Leuten, die sie einfach ungeniert vor unseren Augen geklaut haben. Gu meinte noch, komisch dass die nachts Reparaturen durchführen wollen, aber weitere Gedanken haben wir uns beim Bierchen trinken dann auch nicht gemacht. Der Issyköl See ist riesig und voller Salzwasser. Das weiß ich, weil unser Kaffee am Morgen ausgesprochen besch....eiden geschmeckt hat.

Bei Dima's Kontainer in BishkekDann fahren wir nach Bishkek. In Bishkek gibt es nichts Besonderes zum anschauen. Unser Highlight war der Kraftfahrzeug Ersatzteilmarkt auf dem wir versucht haben eine Ersatzkette für mein Motorrad zu finden. Es ist eine Ansammlung von russischen Kontainern wo es alle nur erdenklichen Ersatzteile von Autos, über LKWs bis Traktoren gibt. Wir versuchen unser Glück bei Dima einem Russen mit diversen Motorradersatzteilen. Leider haben wir aber kein Glück mit der Kette für mein Motorrad. Wenigstens gehören wir jetzt aber zu Rolling Anarchy Kirgistan.
Da wir unbedingt eine Ersatzkette brauchen, beschließen wir am nächsten Tag noch einmal zurück nach Almaty zu fahren.