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Montag, 14. Mai 2018

Wenn der Muezzin ruft

Hat sich schon mal jemand gefragt ob die Muezzins immer das Selbe singen und wie die Melodie sein muss? Angeblich ist der Text, etwas abhängig von der Tageszeit, mehr oder weniger der Selbe. Die Melodie ist frei und es soll vor allem möglichst schön klingen. Manchmal klappt das nicht so ganz, aber oft klingt es ganz gut und wir haben uns mittlerweile schon so daran gewöhnt, dass wir innerlich immer schon auf den nächsten Ausruf warten - irgendwie ist das nett.
Nachdem wir Olüdeniz verlassen haben sind wir auf der Küstenstraße Richtung Antalya unterwegs. Die kleine Straße schlängelt sich an türkisblauen Buchten vorbei und die Sonne scheint wunderbar. Zum ersten Mal fahren wir nur mit T-Shirts unter den Motorradjacken. Vorher war das immer zu kalt gewesen. Wir überholen ein Pärchen auf einer kleinen 150er Honda und sie fahren schließlich ein ganzes Stück an Miriams Heck klebend hinter uns her. Nach einigen Kilometern müssen wir an einer Ampel halten und das Pärchen fährt neben uns. Zwei strahlende Gesichter schauen uns an und schreien "Instagram!", während sie Miriam das Handy entgegenstrecken. Sie wollen uns dann unbedingt auf einen Orangensaft einladen. Die Beiden sind Studenten aus Antalya und inspizieren ganz aufgeregt unsere Motorräder. Sie rufen auch gleich noch ein zweites Pärchen mit Motorrad an die unbedingt vorbeikommen sollen um uns zu sehen. Eigentlich wollen sie uns mit nach Antalya zum Übernachten mitnehmen, wir hatten aber leider schon ein Hotel vorgebucht und konnten daher der Einladung nicht nachkommen. Sie wollen uns aber unbedingt noch bis zu unserem Hotel Ort begleiten und so rasen wir hinter den zwei Pärchen mit stark erhöhter Geschwindigkeit die Küstenstraße entlang bis nach Kemer, wo sich unsere Wege wieder trennen.

Die Honda Service Crew in AntalyaAm nächsten Tag will ich die Gelegenheit nutzen unsere Motorräder noch einmal kurz checken zu lassen, da in Antalya mehr oder weniger die letzte vernünftige Honda Servicehändler Werkstatt für lange Zeit sein wird. Als wir schließlich vor dem Geschäft ankommen (Honda Ataberg Motosiklet Plaza) läuft uns schon ein freundlich aussehender Mann entgegen und spricht uns in praktisch akzentfreiem Deutsch an. Wenige Minuten später schnappen sich die Jungs schon das erste Motorrad und bringen es in die Werkstatt. Sie haben uns extra vorgezogen damit wir schnell wieder weiterkommen. Inzwischen war Mittag und wir wurden kurzerhand auch noch eingeladen ihnen das Mittagessen wegzuvespern. Miriams Motorrad Ständer war mit vollgepacktem Motorrad noch etwas zu lang, diesen haben sie auch gleich noch gekürzt. Einige Zeit später sind die Motorräder wieder bepackt und sehen aus wie neu - was für ein klasse Service! Wir verabschieden uns und haben noch genügend Zeit bis Alanya weiterzufahren bevor es dunkel wird.
Miriam spielt mit den Muskeln am Red Tower in AlanyaAlanya ist touristisch, nein sehr touristisch. Auf der ganzen Fahrt haben wir bis dahin noch nicht ansatzweise so viele Hotelanlagen gesehen wie in Alanya. Bereits 20 km vorher steht ein dickes Hotel neben dem anderen. Wir hatten ein Hotel direkt in der Stadt gebucht und bekommen schon Zweifel, ob das eine gute Idee war. In der Stadt angekommen sieht zum Glück alles nicht mehr ganz so schlimm aus. Es ist sehr touristisch, aber die ganz großen Hotels sind eigentlich alle ausgelagert. Miriam hat aus Versehen kein Zimmer sondern ein Appartement gebucht. Aufgrund der Nebensaison ist es aber günstig und hat eine tolle Lage direkt am Strand. 
Wir bleiben zwei Nächte und nutzen den nächsten Tag Alanyas Altstadt anzuschauen. Die Altstadt liegt am Stadtberg welcher von den Festungsmauern umgeben ist. Viele urige Häuser reihen sich mit kleinen Gassen unterhalb der Burg. Von oben hat man einen tollen Ausblick auf die Stadt und kann sogar noch besser den Lärm der Pseudo-Discostecher Piratenschiffe hören, welche vom Jachthafen ablegen und mit höllischer Discomucke die Festung umfahren. Ja - die gibt es auch hier, nur nicht ganz so deluxe wie in Olüdeniz, da sie keine internen Wasserrutschen haben. 
Die Restaurants und Supermärkte sind super touristisch. Man bekommt wirklich jeden erdenklichen Schrott aus aller Welt - es gibt sogar original schwedischen Kautabak. Wir versuchen zwischen Wikingerbars und Piratenkneipen ein türkisches Arbeiterrestaurant zu finden. Google hat uns schließlich geholfen, allerdings mussten wir bis dahin 3,5 km marschieren. Hinter dem Krankenhaus versteckt betreten wir das kleine Restaurant und wie immer freuen sich die Köche sofort, dass fremde Leute in ihr Lokal kommen. Wir werden gefragt, wie wir den Ort überhaupt finden konnten, bekommen den obligatorischen Abschiedstee und müssen versprechen am nächsten Tag wieder zu kommen.

Kleines Bergdorf nördlich von Alanya
Essen im türkischen Arbeiter LokalGesagt getan fahren wir mit den Motorrädern am nächsten Tag mit unserem kompletten Geraffel zum Frühstück wieder dahin und anschließend über die Berge Richtung Göreme. Direkt hinter Alanya wird es sehr schnell wieder wilde Natur und wir sind froh wieder etwas aus dem Touristeneck zu kommen. Es waren während unserem Aufenhalt praktisch kaum Touristen da, wir wollen aber auch wirklich nicht wissen wie es in Alanya in der Hauptsaison zu geht. Die Straße wird wieder winzig klein und schließlich zur Schotterstraße. Leider wird die Straße aber momentan an vielen Stellen ausgebaut und der Zauber der Bergdörfchen wird dadurch etwas getrübt. Es geht wieder über die Baumgrenze, der Wind wird schneidig und wir bewegen uns nahe der Schneegrenze. Ein Gewitter zieht auf, was uns ganz und gar nicht freut, allerdings die Ziegenhirten mit ihren Zelten im absoluten Nirgendwo nicht zu stören scheint. Wir fahren etwas flotter und entkommen dem Regen gerade so während wir die Passstraße Richtung Karaman hinunter brausen.
In Karaman gibt es eigentlich nichts außer offensichtlich die freundlichsten Menschen im ganzen Land. Als wir in die Stadt einbiegen und kurz an der Straße anhalten um nach einem Restaurant zu sehen, kommen schon die ersten Männer auf uns zu. Einer kann russisch, Einer kann französisch und natürlich auch wieder Einer sehr gut deutsch. Im Handumdrehen wissen wir Bescheid wo wir Restaurants finden können und während wir abfahren wird noch hinterher gewunken. Einige Meter weiter bleiben wir neben einem Markt wieder stehen. Sogleich kommt der nächste Mann fragt, ob wir französisch können, wo wir herkommen, und präsentiert stolz seinen belgischen Zweit-Pass. Auf der anderen Seite kommt ein Mann aus einem Imbiss - wir sollen absteigen, er lädt uns zum Tee ein. Wir nutzen die Gelegenheit bei ihm auch gleich einen Dürüm zu bestellen, dann wäre die Essensangelegenheit auch schon erledigt. Während wir warten passiert uns ein alter Mann, grüßt freundlich auf türkisch, unterhält sich etwas mit uns obwohl wir ihn kaum verstehen können und verschwindet dann kurz um mit einem Strauß Kichererbsen zurückzukommen den er Miriam als Geschenk in die Hand drückt. Kurz darauf spricht uns wieder jemand auf sehr gutem Deutsch an. Der Mann kommt aus Hamburg und besucht seine Verwandschaft. Wir plaudern ein wenig, er erklärt, dass wir Glück hätten den besten Imbiss der Stadt gefunden zu haben und meint noch dass doch sicherlich noch ein Dürüm für jeden geht, als er in der Imbissbude verschwindet. Wir kauen noch mit dicken Backen auf unserem zweiten Dürüm, als der Mann wieder nach ein paar Minuten aus der Imbissbude kommt, sich verabschiedet, noch viel Spaß in der Türkei wünscht - wir sollten noch den gegenüberliegenden Markt besuchen - und salopp nebenher erwähnt, wir bräuchten nichts mehr bezahlen, er habe die ganze Rechnung übernommen.

So spart man Steuern in der TürkeiKichererbsen auf dem Markt in KaramanVollgestopft wanken wir noch wie uns aufgetragen wurde über den Markt. Am ersten Stand soll Miriam sich gleich wieder einen Strauß Kichererbsen nehmen, doch wir lehnen dankend ab. Am zweiten Stand wird uns ohne wenn und aber jedem eine Hand voll Kirschen in die Hand gedrückt. An den nächsten Ständen sollen wir seltsame Beeren vom "Brombeerbaum", grüne Bobbel und orangene Bobbel probieren. Wir laufen noch ein paar Meter durch den Markt und machen uns dann auf den Weg aus der Stadt um einen Zeltplatz zu suchen. Karaman war ein Extrembeispiel für die Gastfreundlichkeit in der Türkei. Eigentlich geschieht das aber im ganzen Land  ununterbrochen. Ständig wird man zum Tee eingeladen, sogar beim Tanken, die Leute freuen sich überall und drücken einem Kleinigkeiten in die Hand, welche man probieren soll. Selbst die Verkäufer und Tourenanbieter in den Touristengegenden sind niemals aufdringlich. Sie wollen einem natürlich etwas verkaufen, sobald man aber zu verstehen gibt dass man kein Interesse hat, kann man sich noch minutenlang außergeschäftlich unterhalten. So haben wir das eigentlich bisher noch in keinem Land erlebt.

Felsenwohnungen in Göreme
Enger Tunnel in der unterirdischen StadtTags darauf erreichen wir Göreme. Schon weit vorher konnte man die Felsenburg von Uchisar in der Ferne sehen, doch wenn man dann die kleine Straße hinab ins Tal nach Göreme fährt, kann man verstehen wieso alle Touristen hierher fahren. Die kleinen Felsentürme sehen aus wie im Märchenland und die unzähligen Gasthäuser und Hotels wurden recht dezent in die Landschaft eingebunden. 
Kaymakli die unteridische StadtDas Wetter wird allerdings wieder regnerischer und so beschließen wir am Folgetag eine der unterirdischen Städte anzuschauen. Die Größte Stadt Derinkuyu steht bei einer der großen Touristen Rundtouren mit auf dem Programm und soll daher sehr voll sein. Wir entscheiden uns deshalb für die etwas kleinere unterirdische Stadt Kaymakli. Hier war es allerdings auch extrem voll. Uns wird erklärt, dass in Göreme, im Vergleich zu anderen Gegenden, das ganze Jahr über Saison ist und dementsprechend immer viele Touristen da sind. Wir wollten keine geführte Tour und hatten glücklicherweise unsere Stirnlampen eingepackt, da die ganzen Gruppen nicht in die lichtlosen Sackgassengänge laufen. So konnten wir also fröhlich durch die Etagen klettern und bis in die letzten Gänge kriechen, was in der Gruppe nicht möglich gewesen wäre. Als wir wieder ans Tageslicht kommen ist Miriam - wen wundert es? - natürlich als Einziger völlig eingesaut. Das fanden dann auch die übrigen Touristen etwas seltsam. Gut aber dass es gerade nicht regnet und so brause ich mit meinem staubigen "Kind" wieder zurück zum Hotel.

Ballons am Morgen in Göreme
Miriam wollte unbedingt offroad Fahren, also haben wir die Täler nicht zu Fuß erkundet, sondern haben die Motorräder benutzt. So machen das auch alle Anderen und so ist man entweder mit Motorrad, auf dem Pferd oder mit Quads unterwegs - laufen tut hier eigentlich keiner. Es gibt einige Täler mit skurrilen Steinformationen, einige Felsenstädte und die Festung in Uchisar zu erkunden. Das Highlight für viele Besucher ist allerdings die Ballonfahrt und viele der bekannten Fotos von dieser Gegend zeigen auch die Ballons. Aufgrund des schlechten Wetters sind die Ballons allerdings die letzten vier Tage nicht geflogen. Besonders toll war das Ganze dann am fünften Morgen, da sich alle gebuchten Ballonfahrten bis dahin aufgestaut hatten. Deshalb durften wir an diesem Morgen extra viele Ballons sehen. Über die Anzahl waren wir dann doch erstaunt, da in einem Ballon mindestens 6 Passagiere passen, in die ganz Großen sogar 24, und ein Ticket pro Person mindestens 150 $ kostet.

Geisterhaus Passhöhe Richtung schwarzes MeerDer Himmel will uns mal wieder nass machenAm Tag der Abfahrt fängt es natürlich wieder bitterlich an zu regnen. Wir fahren Richtung Schwarzmeerküste und haben beschlossen den türkischen Teil auszulassen und bis Georgien weiter zu fahren. Die Wettervorhersage für diese Gegend war grausig und die Hotelpreise dreimal so hoch wie wir sonst bezahlt hatten. Zwischendurch übernachten wir nochmals im Zelt und fahren dann über einen Pass von Bayburt ans schwarze Meer. Die Straße wird wieder winzig und schließlich Schotterstraße. Wenn es nicht schon wieder zu regnen angefangen hätte, wäre das eine klasse Motorradstrecke. Wir fahren hoch bis auf 2300 m und stehen natürlich im Schnee. Es ist schweinekalt, überall verdammter Nebel, die Straße hat tausend Schlaglöcher, es regnet und überall liegt Schnee. Toll - so viel zu "in der Türkei ist es warm". Wir verlassen die Passhöhe und auf der anderen Seite wird es etwas wärmer. Letztendlich hört es sogar auf zu regnen und uns wird wieder warm - so macht das Fahren wieder Spaß. Wir werden auf eine Nebenstraße umgeleitet, da die "Hauptstraße" zugeschneit ist. Unsere Reisegeschwindigkeit ist aufgrund der Schotterschlammstraße ziemlich langsam und wir fahren über unzählige Steile Serpentinen Richtung schwarzes Meer. Unterwegs ist hier niemand mehr und mit dem Auto war es momentan auch gar nicht möglich, da teilweise die Straße weggeschwemmt war. In einem kleinen Kaff ist die Straße dann wieder asphaltiert und wir essen etwas in einer kleinen Bar. Viele alte Männer kommen vorbei, schütteln uns die Hände und wünschen uns Glück bzw. fassen sich ans Herz und küssen Richtung Himmel - wir haben das dann mal so gedeutet.
Unsere Route führt uns die letzten Kilometer am schwarzen Meer entlang Richtung georgische Grenze. Wir liegen hervorragend in der Zeit doch die Autoschlange an der Grenze ist lang. Die Sonne kommt sogar raus und wir müssen unsere Regenklamotten loswerden. Viele Autos haben keine Stoßstange oder Bussen fehlt die halbe Front. Offensichtlich macht das nichts, man kann ja auch hinten einsteigen. Plötzlich beschließen alle herumstehenden Autos, dass Motorradfahrer nicht warten müssen und winken uns durch. Leider passen wir nicht mit den Gepäcktaschen vorbei, daher wird noch extra rangiert und kurze Zeit später stehen wir schon vor den Zollbeamten. Die Beamten stempeln wieder kräftig und fast sind wir schon durch, schicken sie uns plötzlich zurück zu "moto control". Was ist das jetzt für ein Mist? Uns wird erklärt das "System" hat beschlossen, dass eines unserer Motorräder geröntgt werden muss. Leider ist die Röntgenanlage wieder 20 km ins Landesinnere. 

Miriam mit ihren Grenzbeamten KumpelsMein Motorrad beim RöntgenDie Beamten beschließen dann dass sie die Wartezeit lieber mit Miriam verbringen wollen, also muss ich mit meinem Motorrad einem Beamten zur Röntgenanlage folgen. Dort stehe ich dann zwischen lauter Lastwagen und Bussen als einziger Motorradfahrer und warte. Miriam speist währenddessen Kekse und Kuchen, trinkt Tee und Kaffee. Als ich auch noch meine kompletten Taschen vom Motorrad abnehmen soll, frage ich was sie eigentlich suchen. "Alles mögliche an Schmuggelware!" - "aha und warum interessiert dann niemand mein Gepäck?" - "Wie hat das keiner angeschaut?" - "nein" - "Das hätte aber eigentlich jemand tun sollen!". Damit war das Gespräch dann auch erledigt. Auch der Beamte hat das Gepäck nicht untersucht, er ist ja nur für Fahrzeuge röntgen zuständig. Mit erhöhtem Blutdruck fahre ich nach über einer Stunde wieder zurück zur Grenze und gabele meine wohlgenährte Frau wieder auf um die Türkei zu verlassen. 
Auf der georgischen Seite wundert sich die Grenzbeamtin noch über Miriams zweiten Pass und will ihn am liebsten einbehalten. Zudem müssen wir noch eine Motorradversicherung direkt hinter der Grenze abschließen. Wir wollen für jedes Motorrad 30 Tage Versicherung. Als ich auf Miriams Bescheid schaue steht dort nur 15 Tage. Ich versuche dem jungen Mann zu erklären, dass er das abändern muss und dieser meint nur dass das in seinem Computer nicht ginge. Daher meine ich er solle einfach einen weiteren Beleg für 15 Tage nach Ablauf der ersten 15 Tage ausstellen. Auch das geht anscheinend nicht - so bekomme ich also einen Teil meines Geldes zurück und während der junge Mann nur noch ununterbrochen "no problem" sagt, verabschieden wir uns und brechen die letzten Kilometer auf Richtung Batumi. Natürlich ist es bereits dunkel geworden...

Freitag, 11. Mai 2018

Der türkische Westen

Endlich froh den Bosporus verlassen zu haben fahren wir nach Süden in Richtung Denizli. Da die Strecke am Stück für eine Tagesetappe zu weit ist, müssen wir bei Kütahya einen Zwischenstopp machen und kaufen ein paar Nahrungsmittel in der selbigen Stadt ein. Die Stadt an sich ist völlig unspektakulär und kein Tourist scheint sich hierher zu verirren. Doch gerade als ich aus dem Supermarkt spaziere, während Miriam bei den Motorrädern wartete, kommt ein Mann strahlend aus dem Laden nebenan und fragt in bestem Deutsch, ob wir aus Deutschland wären. Er hat eine große Tüte Schokoladen Nüsse dabei, welche er verkauft, und drückt sie Miriam in die Hand. "Das ist ein Geschenk - schön dass ihr die Türkei besucht, wie gefällt es euch hier?" Wir schauen anfangs noch etwas verdutzt, weil wir damit nicht gerechnet hatten und der Mann erzählt uns dass er einige Jahre in Deutschland gewohnt hat und Karlsruhe kennt er natürlich auch. Nach einem kleinen netten Plausch verabschieden wir uns und fahren etwas aus der Stadt, wo wir uns einen netten Platz suchen um unser Zelt aufzustellen. Am nächsten Tag fahren wir die zweite Etappe bis Pamukkale bei Denizli.

Klasse Frühstück auf dem Balkon
Ein Kangal will geschmust werdenPamukkale ist weltweit bekannt für seine heißen Quellen und man findet sehr viele zauberhafte Bilder im Internet von den strahlend weißen Kalksinterterrassen. Das Wetter ist jetzt endlich sonnig und einigermaßen warm, so dass wir nicht mehr frieren müssen. Eigentlich wollten wir Zelten, doch die Hotel Preise sind aufgrund der Nebensaison noch dermaßen günstig, dass sich das nicht wirklich lohnt. Wir bezahlen ca. 10€ inkl. Frühstück und das würde schon bald unser Frühstück alleine kosten, wenn wir wild campen würden. Da es bereits Nachmittag ist, beschließen wir die Kalksinterterrassen am nächsten Tag zu besichtigen und stattdessen zur nahe gelegenen Ruinenstadt Laodikeia zu fahren. Wir sind bis auf ein Hochzeitspaar völlig alleine und keinen scheinen die Ruinen zu interessieren, obwohl hier viel mehr alte Steine zu sehen sind, als im völlig überlaufenen Delphi in Griechenland. Es gibt auch keine Absperrungen und es macht ziemlich Spaß inmitten von unzähligen Ruinen unterwegs zu sein. 
Ganz alleine in Laodikeia
Unsere Unterkunft befindet sich im Nachbarort Karahayit, wir haben eine riesige Badewanne, welche mit Thermalwasser gespeist wird und das Frühstück kommt aufs Zimmer, so dass wir in der Morgensonne auf dem Balkon speisen können - ziemlich cool oder? Karahayit ist recht klein, hat aber einen netten Markt und man kann für wenig Geld sehr lecker essen. Es gibt zu diesem Zeitpunkt praktisch keine Touristen in dem ganzen Örtchen.
Das Theater von HierapolisAm nächsten Morgen brechen wir auf zur eigentlichen Attraktion - den Kalkterrassen von Pamukkale. Von Karahayit sind es nur wenige Kilometer, also lassen wir unsere Motorräder stehen und laufen zu Fuß. Wir betreten den Park durch den Nordeingang und kommen somit zuerst durch die antike heilige Stadt Hierapolis. Auch hier ist man erstaunlicherweise fast alleine unterwegs, obwohl es noch viel mehr zu sehen gibt, als in Laodikeia am Tag zuvor. Der Weg führt durch unzählige Sarkophage und Gräber, welche man alle ohne Absperrungen erkunden kann, bis zum bekannten Theater. Hier trifft man dann auch die ersten Touristen, da der Weg von den Kalksinterterassen zum Theater nicht sehr weit ist. Nicht weit vom Theater befindet sich Cleopatra's Ancient Pool, eine Art touristisches Schwimmbad, völlig überlaufen und teuer und schließlich die Kalksinterterrassen. 

Die ganze Familie zusammenDie letzten bewässerten Terrassen ohne BadegästeSucht man zuvor im Internet findet man unzählige traumhaft schöne Bilder, doch leider sieht das Ganze mittlerweile völlig anders aus. Durch die unzähligen Hotels wird das meiste Wasser vorher abgezapft und das wenige restliche Wasser auch noch künstlich umgeleitet, so dass es nur noch eine Hand voll Terrassen gibt, welche überhaupt noch bewässert werden. In den meisten der noch bewässerten Terrassen planschen unzählige Touristen aber der Großteil liegt einfach trocken und man kann sehen, dass die Terrassen dadurch langsam zerstört werden. Ein paar "Betreten verboten" Schilder versuchen weitere Zerstörung zu minimieren, doch viele Touristen halten sich nicht daran. Die Zukunft für diesen Ort sieht nicht gut aus. Für uns war das zum Park dazugehörige Hierapolis beeindruckender als der traurige Anblick der Sinterterrassen. Am nächsten Tag brechen wir auf in nach Olüdeniz bei Fethiye.

Tolle Bucht bei Kayakoy
Noch mehr LandschildkrötenOlüdeniz ist bekannt für seine traumhafte Küste und natürlich Badestrände. Daher hatten wir anfangs etwas Angst im Super-Tourismus Paradies zu landen, doch interessanter Weise war auch dort noch absolute Nebensaison und daher noch keine Touristen und die Hotelpreise unglaublich günstig. "Blue Lagoon", der Hauptstrand und Touristenattraktion Nummer 1, ist quasi menschenleer. Miriam und eine Hand voll Menschen gehen sogar schwimmen. Ich habe sogar auch mit den Fingern die Wassertemperatur erfühlt. Grundsätzlich betrete ich allerdings äußerst selten Wasser unter meiner Körpertemperatur und davon war es weit entfernt.

Am Nachmittag fahren wir zur Geisterstadt von Kayaköy. Dort gibt es einen Wanderweg durch die Geisterstadt Richtung Blue Lagoon. Der kleine Wanderweg führt zu Küste und man kann die traumhaften Buchten auf der anderen Bergseite sehen. Das Wasser ist wirklich glasklar. Auf dem Weg zurück sehen wir drei Landschildkröten. Diese scheint es in der ganzen Türkei massenhaft zugeben.

Tlos - jetzt reicht's mit alten SteinenAm nächsten Tag machen Wir einen Abstecher zum Saklikent Nationalpark. Es handelt sich um einen großen Canyon, in dem man theoretisch kilometerlang durch eiskaltes Wasser waten kann. Leider war es unter unserer Körpertemperatur. Wir sind daher zur nahe gelegenen antiken Stadt Tlos weitergefahren. Tlos ist ganz nett, aber langsam haben wir auch von alten Steinen die Schnauze voll.
Lärmendes Pseudo Piraten SchiffDen letzten Tag wollten wir nutzen um in eine der traumhaften Buchten auf dem Kayakoy Wanderweg, auf dem wir zwei Tage zuvor waren, hinab zu steigen. Eigentlich gibt es keinen Weg dorthin und unseren ersten Versuch starten wir an einem ausgetrockneten Flusslauf, welcher aber nach einiger Zeit leider an einem Wasserfall endet und unpassierbar ist. Beim Zurücklaufen haben wir eigentlich bereits aufgegeben, als eine kleine Lichtung mit einer Art Trampelpfad evtl. auch Wildpfad auftaucht und wir einen weiteren Versuch starten. Wir robben ca. eine Stunde durch Gebüsch und kommen schließlich völlig eingestaubt und durchgeschwitzt am Meer an. 
Sind sie ein Honda Service Händler?Die Bucht ist super, das Wasser kann optisch besser nicht sein und es ist vorerst menschenleer. Miriam schwimmt und ich versuche einen Fisch zu fangen bis meine Angelschnur reißt. Dann kommt leider ein beschissenes Discostecher-Pseudo-Piratensegelboot ohne Segel und macht einen Lärm wie auf dem Jahrmarkt. Kaum ist das erste Schiff verschwunden kommen schon zwei Neue. Es ist Zeit zu gehen - also robben wir wieder den staubigen Hang durchs Gestrüpp zurück bis wir unseren Wanderweg erreichen. 
Olüdeniz hat uns sehr gut gefallen. Trotz der Massen an Touristen, welche wohl in der Hauptsaison dort anzutreffen sind, ist die Gegend bisher nicht mit riesigen Hotelanlagen zugebaut worden. In der Nebensaison bekommt man von Touristen fast nichts mit.
Wir machen uns weiter auf den Weg über Antalya nach Göreme.

Freitag, 4. Mai 2018

Wenn alle Stricke reißen Köfte

Bosporus Kanal - die geographische Grenze zwischen Europa und AsienEs ist soweit - wir verlassen Europa. Obwohl die geographische Grenze ja erst am Bosporus Kanal ist, merkt man schon vorher am Grenzübergang dass hier etwas anders ist. Überall stehen stark bewaffnete Grenzschutzbeamte und die Auto Schlange Richtung Griechenland ist erst mal so lang, dass man kein Ende sehen kann. Glücklicherweise will vergleichsweise kaum jemand in die andere Richtung. Miriam meint noch "vielleicht ist Krieg ausgebrochen und alle wollen das Land verlassen" - wir sind trotzdem eingereist. Ganze fünf mal müssen wir unsere Papiere irgendwelchen muffig schauenden Beamten zeigen. Bis wir endlich weiterfahren dürfen dauert es daher eine Weile - das kann ja heiter werden.

Wir wollen noch vor Einbruch der Dunkelheit Istanbul erreichen. Zeitlich liegen wir gut und die Straße verläuft auch erst einmal durch recht unspektakuläres Gebiet. Wir wussten bereits, dass Istanbul groß ist. Wir hatten schon einige andere Großstädte mit deutlich mehr als 10 Millionen Menschen gesehen, aber Istanbul ist eine andere Dimension. Es heißt Istanbul hat ca. 15 Millionen Einwohner, folgt man allerdings der südlichen Bosporus Straße D100, so hat man grob gesagt durchgehend Stadt von Silivri (ca. 75 km vor Istanbul) bis Gebze (ca. 90 km nach Istanbul). Klar, das zählt nicht alles zu Istanbul, aber Fakt ist, man fährt durch 165 km Stadt - irre oder? Oder um es in meine Worte zu fassen "ich habe selten so etwas Schreckliches gesehen"! Leider wussten wir auch nicht, dass der 23. April ein türkischer Feiertag ist und noch viel mehr Leute über diesen Feiertag extra nach Istanbul gereist kamen. Den Verkehr kann sich vermutlich keiner ausmalen, der es nicht selbst erlebt hat und zwischendrin wüten noch gefühlt 1 Million vollständig bescheuerte Taxifahrer, die dich ohne mit der Wimper zu zucken über den Haufen fahren wollen, während sie mit dem Handy telefonieren.
Richtig geraten liebe Leser, wir haben es nicht vor Einbruch der Dunkelheit bis Istanbul geschafft. Zum Glück haben wir sehr schnell ein Hotel gefunden wo wir erst mal 2 Nächte ausruhen konnten. Das war auch wirklich nötig.

Der Stadtkern von Istanbul ist natürlich schön, aufgrund des Feiertages aber einfach abartig voll und alle Moscheen, zumindest für Touristen, geschlossen. Wir sollen einen Teppich kaufen, müssen dem netten Mann, während wir seinen Apfeltee trinken, aber leider erklären, dass wir auf den Motorrädern überhaupt keinen Platz haben. Wir schauen uns die unterirdische Zisterne, die blaue Moschee und den Großen Basar an. Wir passieren den großen Palast, laufen durch den Stadtgarten bis zum Pier und essen Baby-Lamm Därme im Brot. Ja richtig Baby-Lamm-Därme! Das wickeln die gewieften Türken gekonnt auf einen Spieß und lassen es wie Döner aussehen um die armen Touristen zu linken. Eigentlich heißt das Gericht aber Kokorec, ist eine Spezialität und schmeckt gar nicht mal so schlecht, wenn man nicht darüber nachdenkt.
Allgemein ist Essen bestellen gar nicht so einfach. Sobald man in ein einheimisches Lokal geht, kann man mit der Menükarte nichts anfangen und englisch versteht normalerweise auch niemand. Daher - wenn alle Stricke reißen, bestellt man am besten einfach Köfte. Das ist Hackfleisch, gibt es in verschieden Variationen und man kann damit nichts falsch machen. Es sei denn man mag keine Zwiebeln, dann hat man in der Türkei leider verloren. Oder Option zwei - man geht in eines der türkischen Arbeiter Lokale. Dort kann man die Gerichte normalerweise direkt sehen und bestellt einfach was einem gefällt. Das Essen dort ist immer köstlich und kostet fast nichts. Zum Abschluss des Essens gibt es immer einen Cay (Schwarztee).
Ein ganzer Tag in Istanbul ist für uns völlig ausreichend und so sind wir froh am nächsten Tag Richtung Denizli aufzubrechen. Die 90 km bis Gebze sind wieder ausgesprochen anstrengend auf dem Motorrad und zudem natürlich furchtbar hässlich. Danach drehen wir Richtung Süden ab und die Stadt hört endlich auf. Warum so viele von Istanbul schwärmen ist uns nicht ganz klar. Vermutlich fliegen die meisten Besucher nur zum Flughafen und werden von da die kurze Distanz in die Innenstadt gefahren. Hat man das ganze Drumherum auch einmal gesehen, bleibt vom Glanz der Innenstadt nicht mehr so viel übrig.