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Donnerstag, 27. September 2018

Trocken und heiß

Die beleuchtete Moschee am Naqsh-e-Dschahan PlatzMiriam planscht am KönigspalastAuf der Fahrt Richtung Isfahan wird es zunehmend trockener und heiß. Es fühlt sich zum ersten Mal so an, wie wir es vom Iran erwartet haben. Die Fahrt an sich ist recht unspektakulär und wir passieren hauptsächlich karge Wüstenlandschaft.
Isfahan ist berühmt für seine persische Architektur. Zum ersten Mal treffen wir wahnsinnig viele Touristen im Iran. Zuvor haben wir fast keine Ausländer getroffen. Vor dem Königspalast am Naqsh-e-Dschahan Platz kann man sich kaum mehr bewegen. Alles ist auf Tourismus ausgelegt und der dortige Basar besteht hauptsächlich aus Souvenirs. Die Moschee und der Palast sind leider zu diesem Zeitpunkt für die Öffentlichkeit geschlossen. Wir warten mit vielen anderen Menschen bis es dunkel wird um das Lichtspiel im See und die Reflektionen der umliegenden Gebäude zu sehen. Danach kehren wir zurück ins Hotel - es ist uns einfach zu voll.
Da wir 10 Tage für den Antrag unseres Indien Visums "verloren" hatten, beschließen wir die bekannte Wüstenstadt Yazd auszulassen. Yazd liegt nicht auf unserer Route an den persischen Golf und wir hatten bereits viele Wüstenstädte in Usbekistan gesehen. Manch einer mag nun vor Entsetzen vom Stuhl fallen, aber ein Umweg von mehreren hundert Kilometern war es uns dann einfach nicht wert.

Der Innenhof in der pinken Moschee (Nasir ol Molk)
Lichtspiel in der pinken Moschee (Nasir ol Molk)Am nächsten Morgen fahren wir daher weiter zur nächsten Kulturstadt Shiraz. Auf dem Weg dorthin halten wir an einer Tankstelle und entdecken zwei schwedische Motorräder. Die Beiden sind ebenfalls auf Weltreise und haben ungefähr die selbe Reiseroute. Wir beschließen daher uns auf der Insel Hormuz im persischen Golf wieder zu treffen.
Kurz vor Shiraz liegt die antike Ruinenstadt Persepolis. Wir verlassen die Hauptstraße zuerst um die Necropolis Naqsh-e Rustam anzuschauen. Dort angekommen ist der Anblick von der Ferne zwar ganz nett, aber der Eintritt war es uns dann doch nicht wert. Wir beschließen Persepolis ebenfalls auszulassen und fahren direkt nach Shiraz. Irgendwann hat man so viele antike Ruinenstädte gesehen, dass man auch mal welche auslassen kann - oder vielleicht sind wir auch einfach nur Banausen.
In Shiraz wollen wir abends noch die Moschee Nasir ol Molk (pinke Moschee) anschauen, uns wird aber geraten morgens zu kommen, da die Sonne nur zu dieser Zeit in die Räumlichkeiten scheint. Daher machen wir stattdessen einen kleinen Stadtspaziergang. Auch in Shiraz sind sehr viele Touristen.
Tags darauf fahren wir früh morgens zur Moschee. Nasir ol Molk ist ziemlich klein aber zum Glück ist es noch nicht sehr voll. Der Innenhof ist sehr hübsch und auch der bekannte Raum mit den Buntglasfenstern, berühmt für sein schönes Licht, ist ganz nett anzuschauen. Eine halbe Stunde später stehen dort jedoch schon ca. 50 Menschen im Raum und machen hunderte von Fotos. Auch hier wird es uns dann schnell zu voll. Die pinke Moschee ist schön, aber lange nicht so beeindruckend wie die Fotos den Anschein machen.
Anschließend fahren wir an den persischen Golf zur Hafenstadt Bandar Abbas. Erstaunlicherweise ist das Klima dort abartig schwül. Man könnte meinen im tropischen Regenwald zu stehen, Bäume gibt es dort allerdings kaum. In der Stadt selber gibt es eigentlich nicht viel zu sehen. Interessant ist allerdings die Kultur und die Menschen sehen bereits deutlich afrikanischer aus als im Rest des Irans.
Unser Ziel dort ist Hormuz Island. Hormuz ist eine kleine vulkanische Insel im persischen Golf. Viele Menschen und Touristen gibt es dort nicht. Sie ist bekannt für ihre vielfarbigen Sedimentschichten und wird daher auch Rainbow Island genannt.
Ein paar Mal am Tag fährt ein kleines Boot zur Insel. Als wir am Ticketschalter ankommen und ich der Dame dort erkläre, dass wir zwei Motorräder dabei haben, welche wir mit zur Insel nehmen wollen, meint diese dass Motorräder nicht erlaubt sind. Ich hatte allerdings schon einen Bericht gelesen, dass ein Tourist sein Motorrad dabei hatte. Daher erkläre ich ihr diese Erkenntnis mit Google Übersetzer. Nach einem kurzen Anruf meint die nette Dame, dass sie für Touristen eine Ausnahme machen.

Überbleibsel einer StrandzeremonieRainbow Valley auf HormuzAm Pier angekommen hat das Schiff keinerlei Rampe. Wir müssen also unser Gepäck abmachen und die Motorräder mit vier Helfern über die Schiffsreling an Bord heben. Nach einer spannenden Hebeaktion stehen die beiden Motorräder zum Glück unversehrt an Deck und ich versuche sie mit Spanngurten einigermaßen zu fixieren.
Die Fahrt nach Hormuz ist ziemlich unruhig und einige Passagiere dürfen ihr Frühstück zum zweiten Mal betrachten. Eine Stunde später stehen wir dann schon auf der kleinen Insel.
Es ist nicht mehr ganz so schwül wie auf dem Festland und bereits nachmittags. Eine Inselumrundung ist nur ca. 30 Kilometer. Wir fahren fast komplett um die Insel und schlagen unser Zelt direkt am Strand auf. Der Küstenbereich auf Hormuz wäre eigentlich wunderschön, leider liegt einfach überall Müll herum. Das Müllproblem besteht aber grundsätzlich im ganzen Iran. Die Einstellung zum Müll ist schon ähnlich wie in Indien - was man nicht mehr braucht wird einfach weggeworfen. Daher sind leider auch viele schöne Orte auch schon sehr zugemüllt. 

Wilde Eingeborene auf HormuzAlles rot, auch das MeerAm nächsten Morgen treffen wir unsere schwedischen Bekannten wieder und erkunden die Landschaft etwas genauer. Die Hauptstraße um die Insel ist größtenteils nicht geteert. Der Schotter wechselt innerhalb weniger Kilometer die Farben. Die Hauptfarben sind rot, braun, weiß, violett und gelb. Am Südende gibt es einen Strand mit schwarzem Glimmersand. Das darüber und darunter liegende Gestein ist knallrot. Daher ist auch das Meer dort rot gefärbt. Die Farbe ist so kräftig, dass man sich unweigerlich damit bemalen muss. Wir mischen die rote Erde mit etwas Wasser und färben uns wie Indianer. Alle wollen allerdings rot sein.
Schwarzer Glimmersand und rotes KindDer Wellengang ist an diesem Strand ziemlich hoch, leider kommen nach wenigen Metern bereits Steine und Felsen im Wasser. Schwimmen ist daher eher schmerzhaft als schön. Die rote Farbe lässt sich nur noch schwer abwaschen, daher erkunden wir den Rest der Insel halt mit leichtem Rotstich. 
Abends übernachten wir nochmals an der selben Stelle wie die Nacht zuvor. Im Dunkeln kann man die benachbarte Insel, Bandar Abbas und viele Frachtschiffe auf dem Weg nach Dubai sehen. Dubai ist von hier aus nur noch ein Katzensprung über den persischen Golf.
Tags darauf fahren wir wieder zurück nach Bandar Abbas und suchen einen Waschservice für unsere Motorräder. Während der Überfahrt wurden sie komplett in Salzwasser getränkt und wir wollen vermeiden, dass sie überall anfangen zu rosten. Die beiden Schweden bleiben noch ein paar Tage auf Hormuz.
An der Waschstation werden wir vom freundlichen Besitzer sofort zuerst auf einen Tee und, als wir nach einem günstigen Hotel fragen, kurzerhand zu ihm nach Hause zum Übernachten eingeladen. Abendessen und eine frische Dusche natürlich inkludiert. 

Muharram Zeremonie vom HausdachNach dem Frühstück am nächsten Morgen machen wir uns auf den Weg nach Bam. In Bam finden wir ein kleines Gasthaus und werden am nächsten Tag auf eine Muharram Zeremonie mitgenommen. Im Trauermonat Muharram begehen die Schiiten in den ersten zehn Tagen die Ashura Riten in denen sie des Todes des Imams Al-Husain in der Schlacht von Kerbala gedenken. Es ist das höchste schiitische Trauerfest. Die Innenstadt ist voll mit Menschen. Überall werden kostenlos Speisen und Getränke verteilt. Männer und Frauen sind getrennt. Die Männer stehen vor einer Empore auf der Erzählungen und Riten gehalten werden. Sie schlagen sich mit Ketten an kurzen Griffen auf den Rücken. Die Frauen sitzen zusammengekauert weiter hinten auf dem Boden. Es ist heiß und die Zeremonie geht stundenlang. Zur Abkühlung wird die Menschenmenge ab und zu mit parfümiertem Wasser besprüht. Die Sicherheitsvorkehrungen sind ziemlich streng und man wird alle paar Meter gefilzt. Die wenigen anwesenden Touristen werden schließlich auf ein Hausdach zu den Scharfschützen gebracht. Von dort aus können wir die Zeremonie und deren Größe besonders gut beobachten.

Das volle Haus bei der privaten FamilieAnschließend laden Privatleute die Menschen zum Mittagessen ein. Wir dürfen auch teilhaben. Das Privathaus ist von einem größeren Hof umgeben. Zum Essen sitzen die Frauen im Haus und die Männer speisen im Hof. Ich schätze die Menschenmenge auf ca. 200 Leute. So kann man sich ganz gut ein Bild machen, wie voll Haus und Hof zu diesem Zeitpunkt waren. Das komplette Essen für all diese Leute wird ausschließlich von dieser Familie gespendet - beeindruckend oder?
Am Nachmittag fahren wir weiter Richtung Zahedan. Als es dunkel wird fragen wir an einem Polizeiposten, ob wir dort unser Zelt aufschlagen dürften. Vom Wildcampen wird in dieser Gegend bereits abgeraten. Die afghanische Grenze ist sehr nah und je nach Sicherheitslage wird man hier auch schon eskortiert. Die netten Polizisten bieten uns eine kleine Hütte an, in der wir uns niederlassen dürfen. Sie befreien sie noch von Müll und gerade als wir unsere Sachen ausgebreitet haben, kommt ein Polizeiwagen mit einem höherrangigen Beamten. Er meint der Platz wäre nicht gut und wir sollen ihm zur nächsten Stadt folgen. Wir werden in eine Art Übernachtungsmöglichkeit für Diplomaten gebracht in der wir kostenlos schlafen dürfen. Am nächsten Tag bekommen wir allerdings unsere erste Polizeieskorte.

Wachturm kurz vor der GrenzeWir umfahren Zahedan und halten an einem größeren Polizeiposten. Dort müssen wir erst einmal längere Zeit warten. Ein junger Iraner, welcher gerade seinen Wehrdienst macht, unterhält sich aufgeregt mit uns. Er ist auch der Einzige mit Englisch Kentnissen. Warum wir so lange warten müssen wissen wir nicht. An Polizisten ohne Beschäftigung scheint es nicht zu mangeln. Nach zwei Stunden meint einer der Männer es geht weiter. Er zeigt auf einen schlaksigen Kollegen und deutet auf mich und mein Motorrad. Ich muss zuerst lachen und denke, dass er einen Scherz macht - es war Keiner. So verbringe ich also die nächsten Kilometer mit einem bewaffneten Polizisten auf dem nicht vorhandenen Platz zwischen mir und meinem Gepäck. Miriam lacht sich schlapp. Zum Glück halten wir nach 20 Kilometern an einer weiteren Straßenkontrolle und wir werden seltsamerweise ohne Eskorte weiter Richtung pakistanische Grenze geschickt.
Die Landschaft ist absolut trocken und karg. Selbst tote Kamele liegen öfters neben der Straße, was zeigt wir lebensfeindlich diese Gegend zu sein scheint. In größeren Abständen stehen weiße Wachtürme in der Wüste. In der Ferne kann man auf beiden Seiten Berge erkennen. Sonst gibt es hier nichts.
Gegen Nachmittag kommen wir an die Grenze. Es ist nicht viel los und die Grenze schließt auch bereits um 16 Uhr. Die Abwicklung geht reibungslos und eine halbe Stunde später stehen wir auch schon im berüchtigten Pakistan.

Donnerstag, 20. September 2018

Das (gast)-freundlichste "Gefängnis" der Welt

Viele Dinge, die bei uns völlig normal sind, sind im Iran nicht erlaubt oder vorgeschrieben. Alle Frauen müssen Kopftücher tragen, auch Touristinnen. Das reicht von völlig verhüllt, bis nur sehr leger über den Dutt gehängt. Die meisten Frauen, welche wir getroffen haben, mögen es nicht. Kaum verwunderlich bei Temperaturen bis teilweise 50°C. Interessanter Weise sehen das die meisten Männer genauso. 
Trifft man Iranerinnen in den Bergen beim Wandern oder abseits der Menschenmengen in der Natur, legen viele sofort ihr Kopftuch ab.
Der iranische Rial ist im freien Fall. Im Mai 2018 bekam man für 1 Dollar auf dem Schwarzmarkt 70000 bis 80000 Rial. Bei unserer Einreise Ende August waren es bereits 100000 Rial und in Tehran kurze Zeit später konnten wir bereits 1 Dollar gegen 130000 Rial tauschen. Der Wertverfall ist dramatisch und trifft natürlich die Bevölkerung schwer. Importwaren sind für die Einheimischen unglaublich teuer. Reisen ist fast ein Ding der Unmöglichkeit. Nicht nur, dass der iranische Pass durch das weltweite Image einer der schlechtesten Pässe der Welt zum Reisen ist - Iraner benötigen fast für jedes Land der Welt ein Visum - durch den Wertverfall ist auch das Ausland extrem teuer.
Das ist sehr traurig denn die Iraner sind unglaublich Camping und reisebegeistert. Sie campen und picknicken einfach überall. In der freien Natur, im Stadtpark oder auch direkt neben der Autobahn am Straßenrand. Selbst in den großen Städten gibt es normalerweise Möglichkeiten sein Zelt aufzuschlagen.

Nein kein Bier, alkoholfreies Malzgetränk mit LimoneFrauen dürfen im Iran nicht Motorrad fahren, zumindest nicht im öffentlichen Straßenverkehr und größere Motorräder als 250 cm³ sind nicht erlaubt. Davon sind Touristen allerdings ausgenommen. Miriam ist daher eine kleine Revolution auf Rädern. Eine Frau auf einem großen Motorrad zieht im motorradbegeisterten Iran jede Menge Aufmerksamkeit auf sich. So passiert es daher ständig, dass eine Frau im vorbeifahrenden Auto das Fenster herunterkurbelt und ihr "I love you" entgegen schreit. "Thumbs up" gibt es im Minutentakt.
Discotheken, Parties und vor allem Alkohol sind verboten. Am Anfang haben wir uns noch gewundert, warum Iraner mitten in der Pampa campen und abends bei höllenlauter Musik wie verrückt ums Zelt tanzen. Die jungen Leute fahren in ihrer Freizeit raus aus den Städten, raus in die freie Natur wo es keine Polizei gibt und sie tanzen und feiern können, wie sie es auch sonst gerne tun würden. Illegalen Alkohol, gehandelt wie Gold, gibt es dort natürlich auch.
Interessanterweise erklären uns fast alle Iraner, ohne dass wir das Thema angesprochen haben, dass sie die Regierung nicht mögen. 
Trotz all den Umständen sind die Iraner mit Abstand eines der freundlichsten Völker der Welt. Die Gastfreundschaft geht teilweise so weit, dass man peinlich berührt ist. Man wird überall nach Hause oder zum Essen eingeladen. Hält man am Straßenrand an, kann man sicher sein kurz darauf angesprochen zu werden, ob alles in Ordnung ist oder Hilfe benötigt wird. Ganz im Gegensatz zu Europa, freut man sich hier Ausländer zu sehen und behandelt sie wie Könige. Diesbezüglich liegt das Abendland leider Lichtjahre zurück.
Im Iran gibt es eine für uns etwas ungewöhnliche Form der Höflichkeit  namens Taarof oder Tarof. Es passiert häufig, dass man in einem Laden etwas einkaufen möchte und der Ladenbesitzer die Bezahlung ablehnt und stattdessen sagt „Gh'aabel nadaareh“. Sinngemäß ist damit gemeint, dass der Kunde für den Ladenbesitzer mehr Wert hat als die Ware oder wichtiger ist als die Ware. Diese Person drückt damit seine Höflichkeit besonders aus, was aber im eigentlichen Sinne nicht bedeutet, dass sie nicht bezahlt werden will. Man muss also mehrere Male darauf bestehen, dass der Verkäufer die Bezahlung annimmt. 
Trotzdem ist uns öfters passiert, z.B. an Eiscreme Ständen, dass wir auch auf mehrmalige Bitte nicht bezahlen durften. Wie schon erwähnt - der Gast ist im Iran König.

Ruppige Abkürzung nach DizinWir verlassen Tehran nach einem weiteren Ruhetag für eine Rundreise Richtung Norden, um auf unser Visum zu warten. Allerdings nehmen wir erst eine kleine Straße zum Skiresort Dizin um später auf die Hauptstraße nach Chalus zu kommen. Auf der Passhöhe, bevor es wieder nach Dizin den Berg hinunter geht, ist die Straße leider gesperrt. Uns wird erklärt, dass wir hier nicht weiter fahren können. Das ist erst ziemlich ärgerlich, da die ganze Strecke zurück nach Tehran, um dann weiter westlich Richtung Norden zu fahren, ein ziemlicher Umweg ist. Wir beschließen daher trotzdem weiterzufahren. Die Straße ist zwar für Autos blockiert, kann aber unsere Motorräder erst einmal nicht aufhalten. Ein paar Kilometer weiter sehen wir den Grund der Sperrung. Die Straße ist einfach komplett weggebrochen. Obwohl wir das kleine Örtchen Dizin bereits sehen können, ist hier auch mit zwei Rädern kein Durchkommen mehr. Wir müssen umdrehen und versuchen ein paar hundert Meter weiter oben querfeldein den Skihang unter der Liftanlage zu erreichen. Nach einer ziemlich verblockten Passage stehen wir glücklicherweise auf der Wiese unter dem Lift und können von dort die restlichen Kilometer ins Tal abfahren.
Um Chalus zu erreichen war es bereits zu spät. Ein Blick auf die Karte zeigt einen kleinen See und wir entscheiden dort hinzufahren um einen Übernachtungsplatz zu finden bevor es dunkel wird. Der See liegt zwischen Bergen etwas außerhalb von einem kleinen Dorf und ist nur auf einer schlechten Schotterstraße zu erreichen. Wir finden einen schönen Platz für unser Zelt direkt am Ufer. Auf der gegenüberliegenden Seite scheint mehr los zu sein. Neben einem Restaurant gibt es einen großen Zeltplatz und dieser wird allmählich immer voller - es ist Wochenende.

Die tanzwütige BekanntschaftRelaxt Schlauchboot fahrenAm nächsten Morgen nehmen wir ein Bad. Das Wasser ist ungewöhlich warm. Da uns niemand sehen kann badet Miriam im Bikini. Als sie gerade erst ins Wasser gesprungen ist, taucht natürlich plötzlich auch schon jemand auf. Eine Gruppe junger Leute mit zwei Frauen und zwei Männern und ein Schlauchboot. Miriam will sich gerade hektisch etwas überwerfen, als eine der Damen auch schon lächelnd meint "relax". Beide Mädels sind ebenfalls ohne Kopftuch und eine davon sogar bauchfrei. Wir seien weit weg von der Stadt, es sei fast niemand hier, Polizei gäbe es hier nicht und sie solle doch einfach so weiter schwimmen. 
Mit der Zeit kommen immer mehr Leute. Zum Einen weil es der schönste Teil vom See ist und zum Anderen weil hier zwei Ausländer wohnen, die jeder begrüßen will.
Es dauert nicht lange und wir werden auch schon von einem netten Herren zum Abendessen eingeladen. Nach dem Essen gibt es Lagerfeuer und höllisch laute Musik. Zeit zum Tanzen zur großen Freude aller Anwesenden, allerdings weniger zur Freude meinerseits. Einer der Herren ist Kurde, die scheinen ein besonders tanzwütiges Volk zu sein. Die Beine und Arme flitzen, als wäre er als Kind in ein Fass Red Bull gefallen und das geht so stundenlang. Als wir mit dröhnenden Ohren endlich im Bett liegen, ist die Nacht für die meisten Einheimischen noch lange nicht vorbei. Sie tanzen bis in den Morgengrauen.

Das Kind beim KlippenspringenWasserpfeife hat im Iran TraditionTags darauf sind wir nicht mehr allein und viele Leute kommen zum schwimmen oder um von den nahegelegenen Klippen zu springen. Unsere vier Bekannten vom ersten Tag empfangen uns mit leckerem Mittagessen und zum Nachtisch gibt es Wasserpfeife auch Shisha genannt. Shishas sind im Iran sehr beliebt und überall sieht man kleine Grüppchen sitzen, die an den Wasserpfeifen saugen. Meistens verwenden sie keinen Tabak, sondern eine Glycerinmischung mit Fruchtgeschmack, welche wie Marmelade aussieht. Diese wird dann mit Alufolie abgedeckt und liebevoll mit glühender Kohle bestückt. Wir bekommen Kirschgeschmack mit nicht "one apple" sondern "two apple". Ob das geschmacklich einen Unterschied macht, können wir allerdings nicht sagen.
Abends sind wir zum Angeln und Essen auf der gegenüberliegenden Seite auf dem Campingplatz eingeladen. Um dort hinzukommen paddeln wir nachts im völlig überfüllten Schlauchboot ans andere Seeufer. Wir werden wie ein Teil einer großen Familie behandelt und vom strengen Iran ist hier absolut nichts mehr zu erkennen.
Weil die Stimmung und die schöne Lage so entspannend ist, bleiben wir insgesamt drei Nächte am See.

Niemals allein im Iran
Auf unserer Weiterfahrt passieren wir Chalus und übernachten im Sisangan National Park direkt am Kaspischen Meer. Am Eingang ist direkt ein großer Campingplatz mit vielen Menschen. Wir versuchen etwas abseits unser Zelt aufzustellen, doch werden noch beim Aufbau kurze Zeit später eingeladen, unser Zelt zu einer Großfamilie aus Maschhad dazuzustellen. Selbstverständlich mit Komplettversorgung und Einladung nach Maschhad.
Der prächtige Mt. DamavandAuf mehrfache Empfehlung brechen wir am nächsten Morgen auf nach Filband. Filband ist ein kleines Örtchen in den Bergen mit einer schönen Passstraße die normalerweise über die Wolkendecke führt. Der Ausblick ist mit Sicherheit wunderschön, doch leider ist der Ort an diesem Tag in den Wolken und man kann nicht viel erkennen. Daher fahren wir weiter zum höchsten Gipfel im Iran. Mount Damavand ist mit 5610 m gleichzeitig der höchste Vulkan Asiens. Von unserem Zeltplatz auf einer kleinen Wiese bietet sich am nächsten Morgen ein majestätischer Anblick auf den fast schneefreien Gipfel. 
Wieder zurück in Tehran, können wir kurze Zeit später nach 9 Tagen unser Visum abholen. Unserer Weiterreise in den Süden steht nun nichts mehr im Weg und wir machen uns auf den Weg Richtung Isfahan.

Samstag, 15. September 2018

Saffraneis mit Rosenwasser

Schon mal auf der Autobahn mit 100 Sachen einen Truck überholt und als du auf der Höhe der Fahrerkabine bist wird dir plötzlich ein Glas Wasser entgegengestreckt? Du versuchst dem Fahrer klarzumachen, dass du auf der Autobahn bist, ziemlich schnell fährst und du auch mit der linken Hand über Kreuz - die rechte Hand gibt ja Gas - das Glas nur schlecht entgegennehmen kannst. Der Fahrer versteht schnell, die Hand verschwindet wieder in der Fahrerkabine, erscheint aber wenige Sekunden später wieder und präsentiert einen Granatapfel. Du musst unweigerlich lachen, der Fahrer auch. Willkommen im Iran dem freundlichsten "Gefängnis" der Welt.
Die Grenze auf der aserbaidschanischen Seite ist ziemlich modern. Das Kind ist etwas pampig und jammert, dass es kein "blödes" Kopftuch tragen will und überhaupt will es am liebsten einfach schnell durch den Iran durchfahren. Ich ignoriere es erst einmal gekonnt und lass es vor sich hin brabbeln.
Wir werden samt Motorrädern mehrer Male fotografiert und sollen irgendeine Road Tax und Versicherung bezahlen. Road Tax für nur einen Tag und Versicherung beim verlassen des Landes - na ganz toll. Nach einigem Hin und Her machen wir dem Zöllner schließlich klar, dass wir eine grüne Versicherungskarte haben. Er begutachtet sie von der Ferne, aber schaut nicht einmal genau nach, ob diese auch für Aserbaidschan gültig ist. Die Road Tax bezahlen wir auch nicht, sondern stellen uns einfach dumm und fahren mit Kopftuch "bewaffnet" zum letzten Checkpoint vor der iranischen Seite. Sie lassen uns einfach passieren. Vielleicht auch, weil sie mit schlechten Englisch Kenntnissen keine Lust haben mit uns zu diskutieren.
Das Einzige was die iranischen Zöllner interessiert ist Alkohol. Nachdem wir ihnen versichert haben, dass wir keinen Alkohol dabei haben und sie noch etwas in unserem Gepäck herumgewühlt haben, während sie sich allerdings ständig dafür entschuldigt haben, sind wir auch schon in den Iran eingereist - unsere Motorräder allerdings noch nicht. Iran ist das erste Land wofür wir unseren Fahrzeugausweiß (Carnet de Passage) benötigen. Soweit wissen wir Bescheid, doch leider gibt es keinerlei Hinweise in welches Gebäude wir damit müssen. Lediglich ein paar ältere Herren bieten dafür ihre Dienste für 20 bis 50€ an. Wir lehnen mehrere Male dankend ab. 

Ein paar iranische Rial getauschtDie Büros sehen aus, wie bei uns in den 70er Jahren. Braunes Mobiliar und mehrere Herren rauchen ununterbrochen Zigaretten und trinken Tee. Nachdem wir mehrere rauchgeschwängerte Gebäude besucht haben, bekommen wir schließlich einen Tee und ein junger Mann erbarmt sich uns zum richtigen Büro zu geleiten. Wir bekommen schließlich unsere Stempel und dürfen endlich komplett einreisen.
Am Grenzort lädt Miriam ihre Sim Karte auf und wir wechseln etwas Geld. Im Iran gibt es keine internationalen Bankautomaten, weshalb die meisten Touristen Dollar oder Euro zum Wechseln dabei haben. Der offizielle Wechselkurs für Dollar liegt ungefähr bei 42000 Rial für einen Dollar. Durch die US Sanktionen ist der Kurs auf dem Schwarzmarkt zu diesem Zeitpunkt allerdings bei ca. 100000 Rial für einen Dollar. Um dort Geld zu wechseln, verhält man sich einfach wie ein Tourist und kurze Zeit später kommt auch schon mit großer Sicherheit ein bärtiger Mann auf einen zu und bietet seine Dienste an. Alternativ fragt man einfach den nächsten Einheimischen und kommt mindestens genau so schnell zu einem "Geldwechsler". Die Personen ziehen dann alle immer ein rießiges Bündel Geld aus der Tasche oder haben sogar einen Koffer dabei, man drückt ihnen Dollars oder Euros in die Hand und bekommt dafür ein Bündel Rial - keine Quittung, mitten auf der Straße, funktioniert einwandfrei - so einfach ist das.
Wir machen uns auf den Weg nach Tabriz. Als es dunkel wird, kehren wir noch in ein Restaurant am Straßenrand ein und biegen danach in einen Feldweg ab, wo wir unser Lager für die Nacht in einem Steinbruch einrichten. Es ist ziemlich kühl, so haben wir das im Iran nicht erwartet.

Im Basar in Tabriz
Am nächsten Tag erreichen wir Tabriz. Miriam verhandelt hart mit dem Hotelpreis und wir bekommen ein günstiges Zimmer. Wir relaxen einige Zeit und machen uns anschließend auf den Weg zum historischen Basar für welchen Tabriz bekannt ist. Zuerst finden wir ihn gar nicht sofort, obwohl er wirklich gigantisch ist. Unzählige antike Hallen und Gänge vollgestopft mit allen nur erdenklichen Waren schaffen es einen nach kuzer Zeit dermaßen zu verwirren, dass man nicht mehr weiß wo man eigentlich herkam oder hin will. Daher setzen wir uns erst einmal in ein Restaurant und bestellen mit Händen und Füßen etwas zu Essen. Zusammengezwängt sitzen wir dann zwischen vielen schmatzenden Menschen, welche sich alle tierisch freuen, dass Touristen hier speisen und bekommen von allen Seiten "Thumbs Ups". Unser Essen kommt auf Tellern auf einem Stapel serviettenähnlichem Irgendwas. Wir sind uns erst nicht sicher, ob das zum Hände putzen oder Brot sein soll und beobachten daher neugierig unsere Tischnachbarn. Niemand isst es, daher beiße ich einfach ein Stück ab, mit der Gefahr mich lächerlich zu machen - doch grünes Licht - es scheint essbar zu sein und keiner lacht.

Iranischer Brotofen
Anschließend schlendern wir noch etwas durch die Gänge und werden von einem älteren Herren angesprochen, welcher einen kleinen Antik Laden besitzt in den er gerade so selbst hinein passt. Er zeigt uns ein paar uralte Münzen und Wappen und will uns schließlich etwas über den Basar führen. Das kleine Lädchen verschließt er mit einem Stock und wir ziehen los. Zielsicher steuern wir durch den Basar. Er zeigt uns die schönsten Ecken, die besten Teppiche, wie man Brot macht und an welchen Stellen wir Fotos machen müssen. Anschließend spendiert er uns einen Tee und verabschieded sich um zu seinem Lädchen zurückzukehren. Auf seinen Rat hin fahren wir am nächsten Tag nach Kandovan.
Frisch gebackenes SuperbrotDie Felsenstadt KandovanKandovan ist eine Art kleines türkisches Cappadokien. Ein kleiner Ort mit vielen Touristen und Wohnungen in Felsformationen etwas außerhalb von Tabriz. Wir sind die einzigen Touristen und scheinen die Hauptattraktion zu sein, da wir mit unzähligen Einheimischen Fotos machen müssen. Kandovan ist schön, aber wenn man zuvor Cappadokien gesehen hat bei Weitem nicht so interessant. Es ist auch einfach verdammt voll und so treten wir nach einer kleinen Wanderung auch schon wieder unsere Weiterreise an.
Ein paar Kilometer weiter halten wir an einer Bäckerei mit frischem Brot. Sie backen uns ein extra riesiges Super Brot, welches wir an unsere Motorräder gelehnt anfangen zu verspeisen. Aus den Nachbarläden schauen uns immer mehr fragende Gesichter an. Schließlich bringt uns jemand frischen Ziegenkäse und jemand anderes zwei Flaschen Cola. Außerdem sollen wir uns doch bitte in seinen Reparaturladen setzen. Wahrscheinlich haben sie sich gewundert, warum zwei blöde Touristen auf der Straße stehen und trockenes Brot verschlingen. Leider spricht niemand wirklich Englisch. Daher ruft der Besitzer seine Frau an, welche dann ausgiebig mit Miriam telefoniert. Wir werden gleich von zwei Personen nach Hause eingeladen. Da wir allerdings recht zügig nach Tehran fahren wollen um unser Indien Visum zu beantragen, lehnen wir dankend ab.
Auf dem Weg nach Teheran benutzen wir zum ersten Mal die Autobahn. Im Iran sind größere Motorräder als 250 cm³ ohne Sondergenehmigung nicht erlaubt. Für eine Sondergenehmigung muss man ordentlich Geld bezahlen und daher gibt es auch kaum größere Maschinen in diesem Land. Motorräder dürfen zudem nicht auf die Autobahn - Touristen mit großen Motoren allerdings schon. Da Krafträder nicht auf die Autobahn dürfen, gibt es auch keine Autobahngebühren dafür. Touristen mit Motorrädern müssen daher auch keine Gebühren bezahlen. So darf man einfach winkend durch die Mautstellen fahren ohne einen Penny zu bezahlen. So macht das Reisen mit dem Motorrad besonders Spaß.

Unser Zeltplatz zwischen Tabriz und TehranNachmittags halten wir an einem der vielen Melonenstände am Straßenrand an. Wir wollen eine Melone für das Frühstück am nächsten Morgen kaufen. Ein netter Mann mit einem neuen roten Jeep kommt sofort auf uns zu und will unsere Motorräder begutachten. Der Mann ist aus Aserbaidschan und fährt auch Motorrad. Er will uns zu einer Wassermelone einladen und so mampfen, der Ladenbesitzer, der Mann aus Aserbaidschan und wir zusammen eine überdimensional große Wassermelone. Anschließend wollen wir noch unser Frühstück einkaufen und enden dabei mit einer großen Honigmelone und sechs Gurken, welche wir auf keinen Fall bezahlen dürfen, weil alles der Mann aus Aserbaidschan bezahlen will. Wir verabschieden uns und finden ein schönes Plätzchen zwischen abgefahrenen Wüstenhügeln für die Nacht.
Am nächsten Tag erreichen wir die Hauptstadt Tehran. Der Verkehr in Tehran ist maximal chaotisch aber langsam. Vorfahrtsregeln gibt es nicht. In einen Kreisverkehr fährt man mit maximalem Schwung und versucht eine Lücke zu finden. Einbahnstraßen sind kein Grund nicht auch in die andere Richtung zu fahren. In einem Stau versucht man jede Lücke mit einem Motorrad auszufüllen. Helm tragen ist maximal uncool, aber man kann ihn lässig irgendwo ans Motorrad hängen oder auf dem Schoß spazieren fahren. Während man einhändig zickzack durch den Verkehr drängelt, checkt man Whatsapp Nachrichten oder telefoniert. Man kann auch problemlos im dichten Verkehr nebeneinander herfahren, sich mit den Touristen, welche sich versuchen zu konzentrieren, unterhalten oder ihnen Getränke und Leckereien dabei anbieten. So schieben wir uns mit Kopfschütteln und Lachen durch das Chaos. Hat man sich aber erst einmal daran gewöhnt ist es nur noch halb so schlimm. Der Verkehr ist meistens langsam und wenn man sich dem Fahrstil erst einmal angepasst hat, ist es gar nicht mehr so schwierig. Istanbul war damals deutlich gefährlicher.
Wir finden ein günstiges Hotel genau in der Innenstadt und dürfen unsere Motorräder gegen eine kleine Gebühr sicher auf einem privaten Parkplatz unterstellen. 

Unsere Luftfilter nach 25000 kmEs ist Wochenende und die Ämter haben geschlossen. Im Iran ist der Freitag der europäische Sonntag. Samstag und Sonntag arbeiten die Ämter allerdings auch nicht. Daher muss unser Indien Visum Antrag erst einmal warten. Wir besuchen daher einen der zahlreichen Motorradhändler in der Stadt. Für große Motorräder gibt es allerdings eigentlich nur einen Händler - Mahak Ciklet. Wir erscheinen dort erst einmal zu Fuß und werden sofort herzlichst mit Tee empfangen. Am nächsten Tag ist leider auch noch einer von vielen iranischen Feiertagen, aber sie öffnen trotzdem extra für uns. Wir benötigen einen Ölwechsel samt Ölfilter und auch dringend neue Luftfilter. Nach über 25000km und viel Offroad in Kirgistan, Tadschikistan und Usbekistan, kann man unsere Luftfilter vor Staub kaum mehr erkennen. Zum Glück haben die Jungs dort tatsächlich alles vorrätig. Sie überprüfen sogar den Rest unserer Motorräder äußerst professionell. Bei der kleinen Probefahrtrunde fällt mir auf, dass mein Rücklicht gar nicht geht und ich erinnere mich, dass das Kind (auch Miriam genannt) vor vielen tausend Kilometern irgendwo in einem Tunnel in Kirgistan mal erwähnt hatte, dass man mich schlecht sehen würde. Leider ist ihm dabei wohl nicht aufgefallen, dass das eventuell an einem nicht funktionierenden Rücklicht liegen könnte. Auch die vielen tausend Kilometer danach ist ihm dabei wohl nichts Ungewöhnliches aufgefallen - danke Miriam, du bist mir eine große Hilfe.

Bei den Mahak Ciklet JungsMiriams Handschuhe haben mittlerweile das Zeitliche gesegnet und einer der Jungs ist sofort motiviert in den umliegenden Läden ein Paar zu finden. Ich bekomme sein Motorrad und Miriam hintendrauf und er schnappt sich ein anderes Motorrad. Beiläufig erwähne ich noch, dass er doch bitte seine Fahrweise aufgrund der Tatsache, dass zwei Touristen ihm folgen wollen, etwas zügeln soll - ich fände den Verkehr im Iran sehr chaotisch. Er dreht sich noch grinsend um und fährt dann auch schon mit einem "I know" bei Rot direkt vor einem Polizisten über die nächste Kreuzung. Allerdings wartet er kurz darauf brav am Straßenrand auf die Touristen, welche an der roten Ampel stehen geblieben sind. 200 Meter weiter sind wir auch schon angekommen - toll - da hätten wir schneller Laufen können.
Alles repariert und mit neuen Handschuhen kehren wir schließlich zurück ins Hotel. Eigentlich kann man unser Hotel aufgrund der Einbahnstraßen nur mit einem größeren Umweg erreichen. Wir beschließen daher, wie alle anderen Motorradfahrer auch, im "irani Style" einfach gegen die Fahrtrichtung zurückzufahren - alles geht gut - keinen interessiert`s.

Iranisches Getränk
Besser nichts vorher essen!Tags darauf schlendern wir durch den großen Basar in Tehran. Der Basar ist so groß, dass man sich unweigerlich verläuft. Zwischen den einzelnen Hallen sind manchmal die Durchgänge mit Streben versehen. Wofür diese eigentlich da sind, konnten wir nicht herausfinden, aber um weiter zu kommen muss man sich unweigerlich durch diese hindurchzwängen. Der Abstand lässt vermuten, dass es nicht so viele beleibte Menschen im Iran gibt. Ansonsten wird es wirklich schwierig im Basar einkaufen zu gehen. Es gibt allerlei Leckereien zu probieren. Auffallend sind zwei Getränke. Eines sieht aus wie Fischeier und das Zweite wie goldene Kügelchen im Wasser. Beide Getränke werden gerne gemischt und sehen echt klasse aus. DIe Fischeier sind eigentlich aufgequollene Basilikumsamen und das goldene Getränk heißt Khakshir und besteht aus den Samen der Wegrauke. Beide Getränke sind mit Wasser, Zucker und Rosenwasser versehen. Zudem gibt es ein geniales Eiscreme mit Saffran und Rosenwasser. Das kostet fast nichts und wir gönnen es uns fast jeden Tag.

Ausblick auf TehranEin Restaurant in der Schlucht bei DarbandGleich hinter Tehran beginnen die Berge. Am Sonntag beschließen wir daher zum Stadtrand zu fahren und uns den Stadtteil Darband anzuschauen. Darband ist ganz im Norden Tehrans und der Stadtteil endet in einer Schlucht, welche sich allmählich den Berg Richtung Gipfel emporschlängelt. In der Schlucht sind viele ziemlich teure Restaurants mit Angestellten davor, welche die Besucher etwas penetrieren dort essen zu gehen. Es ist unglaublich voll und wir sind schließlich froh als wir allmählich aus der Schlucht kommen und nur noch Wandersleute unterwegs sind. Wir treffen einen älteren Herren, welcher die Wanderung schon seit 60 Jahren regelmäßig macht und uns gerne begleitet. Wir sind mit Flipflops unterwegs, da wir auch keine Wanderung geplant hatten. Der Weg zum Gipfel führt letztendlich über einen Klettersteig und der nette Herr kann es nicht fassen, dass zwei bescheuerte Touristen hier mit Flipflops unterwegs sind. Wir müssen ihm einige Male erklären, dass das in Ordnung geht und wir das nicht zum ersten Mal machen. Er freut sich dann immer tierisch wenn uns die Einheimischen auf unser etwas ungeeignetes Schuhwerk ansprechen oder weist sie sogar extra darauf hin. Der Ausblick ist fantastisch und es ist schön etwas aus der großen Stadt zu sein. Leider ist es etwas diesig, sonst könnte man ganz Tehran überblicken.
Montags können wir dann endlich unseren Indien Visa Antrag stellen. In Tehran macht das nicht die indische Botschaft, sondern ein Reisebüro. Das erste Problem ist dann schon die Adresse zu finden. Platz und Adresse sind mit Google Maps nicht genau identifizierbar. Mit einer normalen Google Suche finden wir schließlich ein Bürogebäude mit einer ähnlichen Adresse mit Anfahrts Karte. So wissen wir dann zumindest ungefähr wo das Reisebüro sein müsste. Wir beschließen mit der Metro zu fahren und lassen die Motorräder ruhen. Das Metrosystem in Tehran ist ausgezeichnet und es ist auch alles zusätzlich auf Englisch geschrieben. Zudem ist es so unglaublich günstig, dass es überhaupt keinen Sinn macht mit dem eigenen Fahrzeug herumzufahren. Männer und Frauen haben getrennte Abteile, die Frauen dürfen allerdings auch freiwillig mit ins Männerabteil. Die Männer springen dann augenblicklich auf und bieten den Damen einen Sitzplatz an. Höflichkeit steht im Iran an erster Stelle. Bei den öffentlichen Busslinien ist es ebenso nach Geschlecht getrennt.

Bouldern am Holy Defense MuseumDas Kind ist schießwütigAuf dem Weg von der Metro zum Reisebüro passieren wir den Ab-O-Atash Park und ca. ein Dutzend Panzer, welche zum Holy Defense Museum gehören. Die stehen dort einfach so herum und man kann nach Belieben auf ihnen herumturnen und Fotos machen.
Das Reisebüro finden wir natürlich nicht sofort, sondern müssen erst diverse Passanten fragen. Als wir im zweiten Stock des großen Gebäudes ankommen, sitzen bereits viele Leute da und warten auf die Öffnung. Erstmal muss man sich in eine Liste eintragen. Als das Büro öffnet schlendern ein paar Damen und Herren hinein um sich allmählich an ihren Arbeitsplätzen einzurichten. Das dauert natürlich und "bereits" eine dreiviertel Stunde nach Öffnungszeit kann es dann auch schon mit dem ersten Kunden losgehen. Mittlerweile werden anhand der Liste an jeden Antragsteller Platzzettelchen verteilt. Drei Damen sind für die Antragsstellung zuständig. Ein kleiner Hoffnungsschimmer kommt auf, denn im Warteraum sitzen bereits über 50 Leute. Leider muss jeder Antragsteller zu jeder Dame. Die Erste tippt irgendwas in den Computer und muss die zweite Dame ständig irgendetwas fragen. Die Zweite tippt dann auch irgendwas in den Computer und korrigiert teilweise wieder die Erste. Die Dritte ist nur fürs Kassieren zuständig. Englisch können sie alle nicht wirklich und mürrisch sind sie auch. Eigentlich bitten wir darum unser Visa in einer Botschaft auf unserer Reiseroute Richtung Pakistan abholen zu können. Keine Chance, sie verschicken das Visa nicht per Post und haben sowieso keine Lust dazu - Arschgeigen!

Saffraneis hebt die StimmungAls Miriams Antrag fertig zu sein scheint, schicken sie mich zur Empfangsdame, die noch am besten Englisch spricht. Diese versucht dann das Formular für mich auszufüllen. Nachdem ich das Geschehen einige Zeit beobachtet habe, frage ich, ob ich nicht irgendwo an einen Computer sitzen kann und das Formular kurz selbst ausfüllen darf. Computer hat es genügend - darf ich trotzdem nicht. Eine halbe Ewigkeit später sind die Formulare gemacht. Miriam hat grüne Augen, ihr Beruf ist Hausfrau, sie ist Christ und den Namen des Geburtsorts kann ich gar nicht entziffern. Zudem ist ihr Visa Antrag auch nur für einen Monat, wir wollen aber 6 Monate Multiple Entry. Auf meinem Antrag sieht es nicht viel besser aus. Beide reisen wir über Delhi nach Indien ein und auch wieder aus. Als wir erwähnen, dass das doch Blödsinn ist heißt es nur "no problem". Nachdem alles korrigiert und teilweise neu ausgefüllt ist, wollen sie noch unser Iran Visa sehen. Das ist leider in unserem anderen Reisepass, welchen wir im Hotel abgeben mussten. Und überhaupt - für was in aller Welt brauchen die unser Iran Visa um ein Indien Visa zu beantragen? Nachdem wir 8 Stunden im Reisebüro gewartet haben heißt es also, wir müssen morgen wieder kommen um unser Iran Visa vorzuweisen.
Enttäuscht laufen wir zurück zum Hotel. Ich bin grantig und würde gerne ein paar Arschgeigen würgen. Ein leckeres Saffran Rosenwasser Eis hilft allerdings wieder unsere Stimmung zu heben. Am nächsten Tag im Reisebüro müssen wir wieder lange warten. Alles muss nochmals neu ausgefüllt werden, da unser Iran Visa im anderen Pass ist, aber diesmal sind wir bereits nach 6 Stunden fertig. Zumindest war der Preis für die Visas komischerweise extrem günstig. Jetzte heißt es 10 Tage warten und wir beschließen daher eine Rundtour Richtung Kaspisches Meer zu fahren.