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Samstag, 1. September 2018

Plan B

Die russische Handelszone schließt Kasachstan und Kirgistan mit ein. Daher waren die Grenzübergänge in diese Länder alle sehr unkompliziert und schnell. Als wir nach Tadschikistan eingereist sind, hatten wir diese Handelszone allerdings wieder verlassen. Da wir nun wieder nach Kasachstan müssen, erwarten wir wieder einen katastrophalen Grenzübergang, wie wir es damals schon bei der Einreise nach Russland erlebt hatten. 
Die Grenze ist am Arsch der Welt. Hier gibt es nichts, die Straße hört auch fast auf und es ist auch einfach potthässlich. Kein Mensch kommt hier vorbei der nicht nach Aktau muss d.h. eigentlich nur Leute die auf die Fähre wollen, dort wohnen oder arbeiten.
Die Ausreise geht schnell und die Grenzbeamten sind mal wieder sehr freundlich. Auf der kasachischen Seite geht dann zu unserer Verwunderung auch alles ganz schnell. Wir müssen keinen einzigen Zettel ausfüllen, alles wird mit dem Computer in kürzester Zeit für uns geregelt und eine halbe Stunde später stehen wir schon in Kasachstan.
Nach der Grenze ist die Straße nach Beineu eine Baustelle. Sie wird komplett erneuert aber wir müssen noch auf der staubigen Schotterstraße daneben fahren. Durch die vielen Lastwagen ist es manchmal so staubig und trocken, dass man fast nichts mehr sieht. Nur die treudoofen Kamele am Straßenrand schauen uns mit großen Kulleraugen an und scheinen sich daran nicht zu stören.

Tunnelzelt aufstellen ohne Heringe am Hafen von AktauAb Beineu wird die Straße gut, aber die Landschaft bleibt öde bis Aktau. Kurz vor Aktau sieht man unzählige Ölförderanlagen in der Landschaft und es erscheinen immer mehr Industrieanlagen. Die Gegend ist mit Abstand eine der Scheußlichsten die wir je gesehen haben. Wir fahren gar nicht erst nach Aktau hinein, sondern gleich zum Hafen, wo die Fähren Richtung Aserbaidschan ablegen. 
Am Hafen gibt es ein kleines Tickethäusschen und wir versuchen herauszubekommen wann und wo die nächste Fähre ablegen wird. Das Problem an den kaspischen Fähren ist, dass es keinen festen Fahrplan gibt. Die Fähren legen ab, wenn sie voll beladen sind und das Wetter passt. Zudem gibt es auch noch zwei Häfen von denen sie abfahren können. Auch am Ticketschalter weiß keiner genau Bescheid. Es wird uns nur versichert, dass heute keine Fähre mehr geht - vielleicht morgen oder auch erst nächste Woche.
Direkt am Hafen gibt es auch ein kleines Cafe. Da es bereits dunkel wird, essen wir dort eine Kleinigkeit und fragen anschließend, ob wir unser Zelt auf dem Parkplatz aufschlagen dürfen. Zu unserer Verwunderung ist das gar kein Problem. Wir sollen uns für maximale Sicherheit noch etwas näher an die Videokameras stellen und kostenloses WLAN bekommen wir auch noch dazu.
Am nächsten Morgen fragen wir wieder am Ticketschalter, ob ein Schiff abfährt. Wieder einmal heißt es "heute sicher nicht", aber das nächste Schiff fährt mit großer Wahrscheinlichkeit vom neuen Hafen in ca. 70 Kilometer Entfernung ab. Wir beschließen an den anderen Hafen zu fahren und dort unser Zelt aufzuschlagen. Da wir aber heute kein Schiff mehr fahren soll, bestellen wir noch gemütlich Frühstück, beantragen noch schnell unser Online Visum für Aserbaidschan und die Dusche im Cafe dürfen wir auch noch benutzen. 
Als wir das Hafenviertel verlassen kommt uns noch ein brittisches Pärchen auf dem Motorrad entgegen, die uns dann gleich zum neuen Hafen nach Kuryk folgen. Der Hafen in Kuryk ist schwer zu finden. Er liegt nicht direkt in dem Örtchen, welches auch schon völlig in der Pampa ist, sondern etwa 20 Kilometer außerhalb. Über eine Schotterstraße mitten durch die Wüste erreichen wir schließlich den recht modernen Hafen. Er ist sogar überall mit englischem Rasen ausgestattet, sieht echt klasse aus bis man bemerkt, dass das alles Kunstrasen ist - wäre auch denkbar ungünstig zu Bewässern.

Wenn das der Kapitän siehtProfessor Gul wartet schon auf unsWir betreten das Gebäude und wundern uns, dass dort bereits Touristen sitzen. Dann heißt es plötzlich wir sollen schnell die Tickets kaufen, die Fähre legt demnächst ab. So viel also zur Verlässlichkeit der Aussagen am Ticketschalter in Aktau. Wir hatten wirklich großes Glück, ansonsten hätten wir noch etliche Tage auf das nächste Schiff warten dürfen.
Bis alle Zollangelegenheiten geklärt sind, was eine halbe Ewigkeit dauert, ist "Professor Gul" schon voll beladen und wartet zum Ablegen nur noch auf uns. Das Wetter ist gut und es soll keine Verzögerungen geben. 
Professor Gul ist schon 30 Jahre alt. Uns wird erklärt, dass Schiffe normalerweise nach 10 Jahren komplett restauriert werden müssen. Die kasachische Regierung findet, dass Professor Gul das nach 30 Jahren immer noch nicht nötig hat. Cool - er schwimmt, der Motor läuft und eigentlich sieht er auch für sein Alter noch gar nicht so übel aus - auf geht es Richtung Baku. 

Unsere Kabine auf dem SchiffDas Kind und der Kapitän steuern das SchiffWir wissen nicht was andere Reisende für einen Anspruch haben, aber die Schlafkabinen sind unserer Meinung nach völlig in Ordnung. Wir bekommen drei Mahlzeiten die kein Hochgenuß, aber in Ordnung sind. Es gibt kaum Leute auf der Fähre. Es ist eigentlich auch kein Passagierschiff sondern transportiert in erster Linie Güterwagons. Die Crew ist dafür ziemlich cool und scheint sich über Reisende zu freuen. Man darf sogar auf die Brücke und mit dem Kapitän und der Crew Bilder machen. Nach dem Abendessen werden wir sogar offiziell auf die Brücke eingeladen, bekommen alle Instrumente erklärt und dürfen uns über alles informieren. 
Am nächsten Nachmittag erreichen wir den Hafen von Alat südlich von Baku, nachdem wir unzählige Ölplattformen passiert haben. Viele von den Plattformen sind bereits außer Betrieb und werden allmählich vom Salzwasser zerfressen. Schön ist der Anblick zwar nicht, aber nennen wir ihn mal interessant.
Die Einreise nach Aserbaidschan ist unkompliziert. Das Große Übel scheinen hier allerdings Drohnen zu sein, da uns jeder Zollbeamte ungefähr zehn Mal danach fragt. Die Zöllner sind freundlich, durchsuchen unser Gepäck und sind schließlich auch zufrieden, nachdem sie keine Drohne gefunden haben. Offensichtlich finden sie es aber seltsam, dass Leute Reis, Linsen und Nudeln mitführen. Nachdem wir die Gebühr für unsere Motorräder bezahlt haben verlassen wir das Hafengelände.

Blubbernder Matsch überallWir essen eine Kleinigkeit an einer Tankstelle, nachdem wir die Angestellten dort überreden konnten, dass wir unser Essen in Dollar bezahlen wollen. Es gibt keinen Grund für uns aserbaidschanisches Geld abzuheben, da wir am nächsten Tag bereits in den Iran fahren. Wir haben keine Lust nach Baku zu fahren und beschließen noch einen Ort mit Matschvulkanen anzuschauen, welcher ganz in der Nähe liegt. Als wir die Autobahn auf die kleine Schotterstraße verlassen, riecht es bereits überall nach Öl. Ein paar Meter weiter wissen wir auch warum. Es scheint hier einfach Öl aus dem Boden zu quellen. Bis wir die Matschvulkane erreichen, kommen wir an mehreren solchen Stellen in der Wüste vorbei. Kein Wunder ist das Land so reich, wenn es Öl schon einfach so überall aus dem Untergrund drückt.
Die Gegend mit den Matschvulkanen eignet sich hervorragend um unser Zelt aufzuschlagen. An vielen Stellen blubbert kalter Matsch in kleinen Mini Vulkanen oder auch in Tümpeln. Besonders mystisch wirkt das Ganze dann bei Sternenhimmel und Mondschein. 
Nach einer geruhsamen Nacht mit beruhigendem Geblubber, fahren wir am nächsten Tag zur iranischen Grenze nach Bilarsuvar. Wir haben uns für den kleinen Grenzübergang entschieden, anstatt zur großen Grenze nach Astara zu fahren. 

Sonntag, 8. Juli 2018

Der abwechslungsreiche Osten

Angeln am Kaptschagai See
Nachdem wir Almaty verlassen haben fahren wir nach Norden und passieren den Kaptschagai See. Wir decken uns mit Nahrungsmitteln und Bier ein, während Miriam lässig, wie Terence Hill in Nobody, auf ihrem Motorrad liegt und unser Gepäck überwachen soll. Vor lauter Lässigkeit kippt sie natürlich mitten auf dem Parkplatz um und muss von heranstürmenden Taxifahrern gerettet werden. So kann man auch mit den Einheimischen ins Gespräch kommen.  Als wir wieder aus dem Laden kommen, steht schon eine Traube Taxifahrer um das Kind herum und macht Selfies. Wir unterhalten uns noch eine ganze Weile mit den Taxifahrern, machen Fotos und begutachten unsere Motorräder. Zum Abschluss bekommen wir noch einen Talisman geschenkt, welcher uns auf unserer Reise beschützen soll. Anschließend fahren wir an das Nordufer des Sees und finden einen schönen Platz direkt am Ufer. Andreas und ich versuchen noch eine Zeit lang zu Angeln, aber vom Strand aus hält sich der Erfolg leider in Grenzen und so widmen wir uns letztendlich dann doch lieber dem Bier. 

Offroad im Altyn Emel Nationalpark
Am nächsten Tag fängt es auf dem Weg zum Altyn Emel Nationalpark erst einmal wieder schrecklich an zu regnen. Kurz vor einem wunderschönen Pass, der dann hinunter zum Parkeingang führt, kommt dann zum Glück die Sonne etwas heraus. Miriam ist ziemlich durchnässt, weil sie zu faul war, ihre Regenklamotten anzuziehen. Mit zitternden blauen Lippchen freut sie sich daher besonders, dass es wieder warm wird. Am Parkeingang ist es dann wieder richtig heiß und trocken. Für den Eintritt benötigt man ein Ticket und eine Genehmigung fürs Fahrzeug. Alles ist fast so gut organisiert wie in den USA, nur dass die Straße, sobald man in den Park fährt, für Motorradfahrer richtig schlecht wird - d.h. je nach Ziel über 40 Kilometer Offroad Straße mit übelstem Waschbrett, welches sich mit tiefem Kies und Sandmulden abwechselt. Wir müssen daher deutlich langsamer fahren als alle vierrädrig betriebenen Fahrzeuge. Völlig durchgerüttelt kommen wir nach einer halben Ewigkeit bei Lava Rock an, wo ein paar Russen gerade ihren Reifen wechseln. Die Lavaformationen sind ganz nett, aber der Weg dorthin war die eigentliche Attraktion. Einige Kilometer wieder zurück, finden wir unseren Campingplatz an einer netten Grünfläche mitten in der Wüste. Eine warme Quelle (die nicht richtig warm war) zum Duschen gibt es dort auch, welche mehr oder weniger aus einem großen Rohr besteht, wo das Wasser aus ca. 3 Meter Höhe in einem kleinen Tümpel im Sand platscht. Eigentlich ein sehr schöner Campingplatz, aber wie fast jeder Ort in Kasachstan auch bei den Moskitos sehr beliebt. 

Das Kind auf den Singing Dunes
Nach dem Frühstück am nächsten Morgen rattern wir die ca. 100 Kilometer zum eigentlichen Highlight des Parks, den Singing Sand Dunes. Die Dünen erscheinen plötzlich wie aus dem Nichts mitten in der kargen Wüstengegend. Der Sand ist extrem heiß und wir haben Mühe bis zum Gipfel der ersten großen Düne aufzusteigen ohne uns die Füßchen zu verbrennen. Einige Touristen schleppen Skier und Snowboards die Düne hoch, doch die Abfahrt schaut wenig spaßig aus. Der eigentliche Name kommt von einem Motorflugzeug-artigem Geräusch, welches entsteht, wenn man die Düne herabrutscht und dabei möglichst viel Sand verdrängt. Das Geräusch ist wirklich beeindruckend und gleichzeitig schwingt der komplette Sand um einen herum mit. Unten angekommen merkt man leider zu spät, dass die Ärsche verbrannt sind, hat keine Lust mehr auf einen weiteren Aufstieg und humpelt zum Fahrzeug zurück. Trotz Brandblasen ein tolles Erlebnis. 60 Kilometer Waschbrettstraße später erreichen wir wieder den Parkeingang und machen uns auf den Weg Richtung chinesische Grenze. Ein Wunder, dass unsere Motorräder nach diesen zwei Tagen nicht auseinander gefallen sind und wir keine Gehirnerschütterung erlitten haben. Das Auto von Andreas und Andrea ist bis ins letzte Eck (sogar die Schubladen) völlig verstaubt, das Klappbett ist nicht mehr bedienbar, der Kühlerrost ist abgefallen und beide A-Säulen sind gebrochen. Nach 6 Monaten Sibirien, Mongolei und Kasachstan war es dann doch zu viel für den alten Fiat Ducato.

Sieht aus wie ein Depp, aber mückendicht
Kurz vor der chinesischen Grenze biegen wir dann wieder ab nach Südwesten Richtung Chundzha, wo unsere zwei Schweizer einen Tipp bekommen hatten um ihr Auto schweißen zu lassen. Wir übernachten wieder einmal an einem Fluss an dem wir ausreichend Gelegenheit haben die kasachischen Moskitos zu füttern.

In der kasachischen AutowerkstattAm darauffolgenden Tag suchen wir die empfohlene Werkststatt in Chundzha und als wir sie schließlich finden, ist diese mehr als urig. Im Hof neben dem eigentlichen Wohnhaus liegen überall Ersatzteile und Werkzeuge herum. Zur Autoreparatur ist einfach eine Grube ausgehoben worden auf die, je nach Spurbreite der Autos, einfach ein paar Bretter aufgelegt werden. Wir werden kurzerhand in die Wohnung gebeten und bekommen, trotz Ramadan, jede Menge zu Essen angeboten. Die Mechaniker machen sich gleich draußen am Wohnmobil an die Arbeit. Leider sind die beiden A-Säulen innen ziemlich vergammelt und können angeblich auf die Schnelle nicht wirklich geschweißt werden. Daher wird alles mit Glasfaserspachtel wieder schön verkleidet und poliert. Das Ganze wird mit äußerster Sorgfalt gemacht, obwohl uns zu dem Zeitpunkt schon klar ist, dass das nicht halten wird. Zwei Stunden später ist alles fertig, kosten tut es praktisch nichts, wir machen noch ein paar Abschiedsfotos und fahren anschließend zu den heißen Quellen die sich ganz in der Nähe befinden sollen. Nach wenigen Kilometern kann man natürlich schon wieder sehen, wie sich die Spachtelmasse an den Reparaturstellen langsam wieder verabschiedet. Das war ganz große Handwerkskunst...

Ein wunderschönes Schwimmbad
An den Quellen angekommen zieht gerade wieder ein furchtbares Gewitter auf. Leider sind die heißen Quellen alle in Resorts und die meisten haben nur relativ teure Komplettangebote mit Übernachtung und Mahlzeiten. Als wir schließlich ein Resort finden, welches uns eine Stunde baden lässt, fängt es richtig an zu Schütten und wir sind froh zu diesem Zeitpunkt nicht auf dem Motorrad sitzen zu müssen. Das Bad selber ist allerdings nicht besonders einladend. Mehr oder weniger sind es zwei Becken in einer Wellblechscheune in welcher gerade auch noch renoviert und gebaggert wird. Das Wasser ist allerdings schön warm und so sitzen wir etwa eine Stunde im heißen Wasser und hoffen dabei, dass die Scheune nicht vom Sturm weggeblasen wird. Als wir sauber und aufgewärmt das Gebäude verlassen, hat es zum Glück wieder aufgehört zu regnen und wir suchen uns ganz in der Nähe einen Platz zum Übernachten.

Unser Hilleberg Zelt ist sicherDer wunderschöne Charyn CanyonTags darauf brechen wir auf zum Charyn Nationalpark. Den dort gelegenen Charyn Canyon kann man nur wieder über ca. 20 km Offroad Piste erreichen. Diese ist allerdings in deutlich besserem Zustand als im Nationalpark zuvor. Der Canyon selbst erinnert etwas an die großen Canyons in Utah USA. Die Wanderung im Canyon endet schließlich nach ein paar Kilometern in einer Sackgasse, wo ein reißender Fluss den Rest des Canyons versperrt. Ab dort darf man nicht mehr weiter und angeblich sind auch ein paar Tage zuvor ein paar Kayakfahrer ertrunken, die die Strömung etwas unterschätzt hatten. Wir laufen daher wieder zurück zum Parkplatz, wo wir unser Nachtlager aufschlagen und den Tag mit Bier ausklingen lassen. Unser Hilleberg Zelt stellen wir sicher unter, damit es auch nicht nass wird.

Ein Canyon auf dem Weg zum Kolsay NP
Angeln am Kolsay LakeDer Kolsay Lake Nummer 1Nach dem Frühstück am nächsten Morgen fahren wir wieder Richtung Berge zum Kolsay Nationalpark. Dort befinden sich drei Seen. Um den ersten See zu erreichen muss man wieder viele Kilometer Offroad fahren. Die letzten Kilometer machen es dem Schweizer Camper wieder richtig schwer, aber alle kommen wir letztendlich nach einigen Stunden Gerüttel dort an. Im See gibt es Forellen und wir versuchen wieder einmal erfolglos ein paar Stunden unser Abendessen zu fangen.
Die Wanderung am nächsten Tag zum zweiten See erstreckt sich über insgesamt 20 km. Nachdem man den ersten See hinter sich gelassen hat wird das Gelände zunehmend steiler. Der Wald wurde vermutlich noch nie beforstet. Unzählige Pflanzenarten wachsen wild durcheinander, während ein reißender Bach mit wahnsinnigem Getöse mitten durch den Wald schießt. Neben dem Bach kommt immer wieder Wasser direkt aus dem Waldboden. Es ist klar, eiskalt und perfekt geeignet direkt daraus zu trinken. Nach fast drei Stunden erreichen wir den zweiten See und wie aus dem Nichts erscheint ein Soldat und will unsere Permit sehen. Die habe ich natürlich nicht dabei - kann ja auch niemand wissen, dass man mitten in der Wildnis nach der Permit gefragt wird. Nach einigem Hin und Her sieht der Kontrolleur dann ein, dass er sich eben damit abfinden muss, dass wir keine Permit vorzeigen können. Zum letzten und dritten See darf man nicht mehr weiter laufen. Er liegt zu nah an der Grenze zu Kirgistan und ist zudem noch Trinkwasserreservoir. Nach einer kurzen Vesperpause - die liebe Andrea hat uns nämlich leckere Brote geschmiert - machen wir uns daher wieder auf den Rückweg. Zurück am Camper beschließen wir aufgrund der Kälte und den Moskitos im Inneren zu kochen. Als es bereits dunkel ist, klopft jemand hektisch an der Tür. Ein Mädel aus Hongkong steht davor und will ihr Zelt bei uns aufschlagen, da angeblich Wölfe in der Nähe sind. Da es natürlich unschön wäre, wenn sie gefressen werden würde, helfen wir ihr auch noch ihr Zelt aufzustellen - das hatte sie wohl auch noch nie zuvor gemacht. 

Blick auf den Kolsay Lake von SüdenNach einer Nacht in der keiner gefressen wurde, fahren wir weiter nach Kirgistan. Unsere Schweizer nehmen die Hongkongnesin noch ein paar Kilometer mit, um sie an einer vernünftigen Straße Richtung Almaty abzusetzen, damit sie wieder sicher Richtung Hauptstadt zurückkehren kann. Kurz vor der Grenze erreichen wir Kegen und tanken unsere Motorräder noch einmal voll. Als ich bezahlen will, muss ich mich kurz wundern, da ich angeblich 12,5 Liter getankt hatte - komisch da meine Tank nur ca. 11,5 Liter fasst und auch noch etwas Benzin übrig war. Ich habe allerdings keine Lust mit dem Tankwart zu diskutieren und so zahle ich halt die paar Cent mehr. Bei Miriams Tankanzeige war seltsamerweise wieder alles in Ordnung. Kaum haben wir Kemer verlassen wird die gute Asphaltstraße wieder zu einer Baustellen Schotterpiste. Andreas und Andrea gabeln noch zwei Französinnen auf, welche auch nach Kirgistan wollen. Die letzten Kilometer Richtung Grenze hoppeln wir auf einer schlechten Schotterstraße durch grüne Weiden. Es sieht aus wie in Schottland und nach kurzer Zeit kann man auch schon ein kleines Häuschen mitten auf der Wiese erahnen - die Grenze zur Kirgistan.

Freitag, 6. Juli 2018

Kasachstan unendliche Weiten...

Die Straße von Astrachan Richtung kasachische Grenze ist gut. Nicht weit vor der Grenze muss man eine kleine Gebühr für eine schwimmende Brücke bezahlen und diese überqueren, was die sonst langweilige Fahrt etwas abwechslungsreicher macht. An der Grenze wird man von der bereits gewohnten russischen Freundlichkeit empfangen. Wir werden zum Warten abgestellt, weil man angeblich Rücksprache mit Moskau halten muss, ob wir tatsächlich ausreisen dürfen. Dort stehen wir also mal wieder, wie auch schon bei der Einreise, und warten. Zwei Deutsche mit einem MAN Truck leisten uns dabei Gesellschaft. Eine Stunde später wird uns dann gestattet weiterzufahren. Wir fahren weiter Richtung kasachische Grenze und vorher gibt es eine Brücke mit einer Polizeikontrolle in der Mitte. Von weitem sieht man schon zwei schwer bewaffnete Grenzbeamte. Wir erwarten schon die selbe russische Freundlichkeit beim Empfang, doch stellen fest, dass die beiden Grenzbeamten erst ca. 20 Jahre alt sind und sich freuen ein paar Touristen zu sehen. Sie füllen uns sogar sämtliche Grenzdokumente aus und wünschen uns eine gute Weiterreise. An der richtigen Grenze angekommen geht auch alles ganz flott. Miriam geht als erster zum Grenzhäuschen. Der Beamte greift kurzerhand ihre Hand, zieht sie durch die kleine Öffnung ins Häusschen rein, stellt sich namentlich vor und wünscht ein freundliches "Welcome to Kasachstan". Mir geht es recht ähnlich und nach einem kleinen Plausch woher wir kommen, wie wir heißen und wohin es geht, dürfen wir auch schon weiterfahren. Wir waren definitiv kurz verblüfft - mit so viel Nettigkeit nach Russland hatten wir in Kasachstan nicht gerechnet.

Die ersten Kamele auf unserer Reise
Kurz nach der Grenzkontrolle verwandelt sich die Straße in ein Schlachtfeld. Der Asphalt ist nach ein paar Kilometern kaum mehr vorhanden und von teilweise bis 40 cm tiefen sogenannten Pot Holes durchlöchert. Pot Holes entstehen durch Löcher im Asphalt, wo dann der Wind den darunterliegenden Sand und Staub wegbläst. Die Löcher sind so tief dass man ein kleines Kind darin verstecken könnte. Dementsprechend kann sich jeder vorstellen wie das ungefähr endet, sollte man da mit dem Vorderreifen hineinfahren. Für die Autofahrer ist die Fahrt auf dieser Straße fast noch mühsamer und so fährt jeder die fast 300 Kilometer bis Atyrau zickzack über die komplette vorhandene Fahrbahn. Bis auf die ersten Kamele auf unserer Reise gibt es auf dieser Strecke landschaftlich nicht viel zu sehen und die Temperatur beträgt 39°C. Kurz vor Atyrau wird der Asphalt zum Glück besser und wir erreichen noch vor Einbruch der Dunkelheit die Innenstadt wo wir ein nettes Hostel finden. Wir beschließen einen Ruhetag einzulegen. 

Eiskalter Sturm in Atyrau
Mal eine etwas andere WettervorhersageAm darauffolgenden Tag verlassen wir das Hostel in kurzen Klamotten um die Stadt zu erkunden. Doch als wir die Hostel Türe öffnen triftt uns ein eisiger Wind. Was ist da passiert? Wir schauen kurz auf den Wetterbericht und die Prognose verspricht 17°C und "Staub". Wir haben also innerhalb einer Nacht einen Temperatursturz von 22 Grad und die Niederschlagsprognose verspricht Staub. Darum beschließen wir uns nochmals neu einzukleiden um die Stadt zu erkunden. Wie wir kurz danach erfahren, bedeutet Staub soviel wie Sandsturm und das Ganze ist bei 17°C wirklich auch noch verdammt kalt. Wir laufen einige Kilometer durch die Stadt, allerdings gibt es in Atyrau nicht wirklich viel zu sehen und der Wind bläst gleichzeitig wie die Hölle. Daher sind wir nicht traurig als wir einige Zeit später wieder im Hostel ankommen. Die Temperatur soll sich die nächsten Tage nicht ändern und dazu ist auch noch Regen angesagt. Wir beschließen daher die lange Strecke über Oral nach Aktobe zu fahren. Die direkte Straße nach Aktobe wird bei Regen quasi unpassierbar.

Die arme Kuh hat die Ödnis nicht mehr ertragenDie Landschaft Richtung Oral ist extrem eintönig und langweilig, aber das wussten wir schon zuvor. Es geht 500 Kilometer geradeaus nach Norden, aber wenigstens ist die Straße nicht so schlecht wie zwei Tage zuvor. Ab und zu liegt noch eine tote Kuh am Straßenrand, aber sonst gibt es hier absolut nichts zu sehen. Kurz vor Oral entdecken wir eine kleine Grünfläche und fahren ein paar hundert Meter von der Hauptstraße weg um unser Nachtlager aufzuschlagen. Nach vielen hundert Kilometern war das die erste Grünfläche. Doch leider haben sich die Moskitos darüber genauso gefreut wie wir. Den Großteil des Abends sitzen wir also im Zelt um nicht gefressen zu werden.

Moskito Camping bei OralAm nächsten Morgen fahren wir die letzten Kilometer Richtung Oral um dann nach Osten Richtung Aktobe abzubiegen. Das Wetter ist immer noch kalt, doch wird jetzt auch noch richtig regnerisch und windig. Es ist so kalt, dass wir mit Daunenjacken unter den Regenklamotten fahren müssen. Der blöde Wind bläst uns zudem auch noch fast von der Straße und die fast 500 Kilometer bis Aktobe sind extrem anstrengend. Bevor wir nach Kasachstan gekommen sind, haben alle von extremer Hitze berichtet. Man soll die Strecken mit Bedacht wählen, weil die Hitze unerträglich ist und man auch leicht verdursten kann. Wir sind allerdings eher kurz vor dem Erfrierungstod und zur Flüssigkeitsaufnahme müssen wir nur den Mund aufmachen und Richtung Himmel strecken.

Sonnenuntergang bei AktobeKurz nach Oral sehen wir das motovierendste Straßenschild der Welt "Schymkent 2000 und irgendwas Kilometer" (nach Almaty sind es dann noch einmal 700 Kilometer) - danke kasachische Straßenbehörde! In Aktobe kaufen wir noch kurz ein und bauen dann wenige Kilometer nach Aktobe wieder unser Zelt auf. Es hat zum Glück kurz aufgehört zu regnen und so haben wir nach einem kompletten Tag mit Regen wenigstens noch einen schönen Sonnenuntergang.
Tags darauf packen wir wieder unser Zelt im Regen zusammen. Uns erwarten über 600 Kilometer Strecke bis Aral. Die Landschaft ist mittlerweile anstatt brauner Steppe zu grüner Steppe geworden, aber das macht es auf Dauer auch nicht spannender. Es regnet immer noch wie aus Eimern, aber der Wind kommt wenigsten schräg von hinten. So brauchen wir kaum Benzin und es fährt sich deutlich angenehmer. Tanken macht jetzt auch endlich Spaß. Der durchschnittliche Benzinpreis ist bei ca. 35 Cent pro Liter. 


Miriam ärgert Katzen in Aral
Das Chef Kamel von AralGegen Abend kommen wir erschöpft in Aral an und finden ein günstiges schönes Hostel. Aral war einst ein belebter Fischerort bis der Aralsee aufgrund einer Umweltsauerei die seinesgleichen sucht praktisch vollständig verschwand. Massive Bewässerung von Baumwollplantagen in Usbekistan und Kasachstan ließen die Wassermenge um 90 Prozent zurückgehen und der Salzgehalt hat sich teilweise vervierfacht. Zusätzlich sind gigantische Mengen an Pestiziden verwendet worden, welche durch die Austrocknung auf der ganzen Welt verteilt werden. Kurz gesagt die Gegend ist nicht nur ausgetrocknet, sondern auch extrem verseucht. Verglichen wird das Ganze mit der Katastrophe von Tschenobyl, nur dass es aufgrund der Entfernung im Westen eigentlich keinen interessiert. Wen es dennoch interessiert kann das Ganze im Internet genauer nachlesen. Aral ist heutzutage dementsprechend tot, d.h. es gibt eigentlich nichts - selbst die Schiffwracks inmitten der Wüste, welche teilweise noch Touristen anzogen, wurden mittlerweile demontiert und an die Chinesen verkauft.

Das lief anders als geplant
Wir machen uns daher auch ohne längeren Aufenthalt am nächsten Tag auf Richtung Baikonur. Nach einigen Kilometern entdecke ich eine schöne ausgetrocknete Salzfläche und beschließe für ein paar nette Fotos mit dem Motorrad mitten auf die Fläche zu fahren. Allerdings komme ich nur ca. 20 Meter weit, bis mein Motorrad bis zum Motor im Salzschlamm steckt. Nach 15 Minuten hartem Kampf und abgenommenem Gepäck bekommen wir es wieder befreit - natürlich sieht es aus wie die Sau. 
Abschussrampe in BaikonurBaikonur ist nach dem Zerfall der UDSSR im Besitz von Kasachstan und wird an Russland verpachtet. Das Kosmodrom ist der größte Racketenstartplatz der Welt und erstreckt sich über ein gigantisches Ausmaß. Den Großteil kann man von dem kleinen Örtchen Baikonur gar nicht sehen, allerdings sieht man angeblich alle Raketenstarts von sämtlichen Plattformen. In das Zentrum von Baikonur und den nahegelegenenen Startplatz kommt man leider ohne Genehmigung nicht rein. Die Genehmigung muss anscheinend Monate vorher bantragt werden und kostet auch richtig Geld. Schade, das wäre sehr interessant gewesen. Wir treffen hier auch noch andere Touristen, die vergeblich versuchen die Anlage zu besichtigen - zwei Deutsche mit Campern und ein schweizer Pärchen Andreas und Andrea. Aufgrund der großen Trauer über den verwehrten Eintritt zum Raketenstartplatz, schließen wir uns den Schweizern an und versorgen uns erst einmal mit Abendessen und Bier. Andreas ist schwäbischer Schweizer mit russischer Abstammung und zu meiner Freude geeichter Biertrinker. Zudem spricht er fließend russisch. Andrea ist richtige Schweizerin, kocht sehr lecker und will vielleicht auch irgendwann einmal geeichte Biertrinkerin werden - da muss sie allerdings noch etwas üben. Wir verstehen uns so gut, dass wir die nächsten 4 Wochen miteinander verbringen werden.

Das Mausoleum in TurkistanAuch Pferde warten auf den BusNach einer schönen Nacht an einem netten Fluß machen wir uns weiter in Richtung Turkistan. Wir fahren einen kompletten Tag ohne besondere Vorkomnisse. Die Landschaft ist mittlerweile zur Wüste geworden, aber wirklich interessant ist sie immer noch nicht. Am übernächsten Tag erreichen wir Turkistan und besuchen das Mausoleum, die bedeutenste Pilgerstätte in Kasachstan. Optisch können wir uns somit schon einmal auf Usbekistan einstellen. Schließlich fahren wir weiter, passieren Schymkent und finden letztendlich einen tollen Platz zum Übernachten an einem Gebirgsfluss. Das eigentliche Highlight ist aber, dass wir zum ersten Mal wieder Berge sehen dürfen. Wir haben tatsächlich nach über 3000 Kilometern Ödnis den nördlichen Teil des höchsten Gebirges der Welt erreicht. 
Besoffene Russen im CanyonAm nächsten Tag fahren wir nur wenige Kilometer um eine Höhle zu suchen, welche wir allerdings niemals finden werden. Stattdessen enden wir in einem sehr schönen Canyon, wo wir beschließen einen Tag zu bleiben um am übernächsten Tag  Richtung Almaty der ehemaligen Hauptstadt weiter zu fahren. Nach einer weiteren Übernachtung erreichen wir letztendlich Almaty. Die langweiligste Strecke unserer gesamten Reise ist geschafft. Ab hier ist die Landschaft wieder interessant. Wir quartieren uns in einem der besten Hostels der Welt ein - dem European Backpacker Hostel. Andrea und Andreas schlafen dort in ihrem Camper und wir im Garten in unserem Zelt. Das Hostel ist schön, die Lage ist gut, der Besitzer ist sehr entspannt und hilfsbereit. Die Gäste dort sitzen alle zusammen, tauschen sich aus, kochen zusammen und gehen abends aus. Vielleicht liegt es auch am Reiseland, aber sowas haben wir bisher noch nirgends sonst gesehen.
Almaty ist sehr groß, aber auch sehr grün. Die Stadt ist modern und auch nicht ganz günstig. Im Hintergrund sieht man immer die hohen Berge, wenn sie  nicht gerade von Regenwolken verdeckt sind. Es scheint allerdings recht häufig zu regnen. Allgemein ist man als Motorradfahrer Exot. Überall wird man angehupt oder die Menschen winken aus den Autos. Die großen Trucks hupen einen zum Gruß fast von der Straße und an jeder Ampel fragen die Leute, wo man herkommt und ob man wirklich die komplette Strecke mit dem Motorrad gefahren ist. 
Mein Motorrad benötigt eine neue Kette und neue Hinterreifen brauchen beide Motorräder. Almaty ist dafür weit und breit der beste Ort und trotzdem ist es auch hier relativ schwierig Motorradteile zu bekommen. Es gibt hier einfach so gut wie keine Motorradfahrer. Zum Glück sind unsere Motorräder klein und wir bekommen die Teile relativ problemlos. Wir nehmen uns noch einen Ruhetag um die Stadt zu erkunden und einen weiteren Tag um zum Big Almaty Lake zu fahren. Dann machen wir uns auf Richtung Osten zum Altyn Emel Nationalpark.